In eigener Sache, mal wieder…

von Ray am 25/02/2013

in Gemeldet

…sei berichtet, dass ich – ja, das geht – mit über 55 Jahren und nach fast genau 30 Jahren, den Arbeitgeber gewechselt habe. Seit Anfang 2013 arbeite ich mit grossem Vergnügen, Engagement, mit tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, einem Chef den ich voll und ganz akzeptieren kann – beim Kanton Aargau. Womit das Ende meiner Frotzeleien über den Energiekanton in diesem Land natürlich bereits bei mir angekommen ist. Die längere Schreibpause – bezeichnend ist wohl, dass der vorherige Post hier um ein Billet nach Aarau ging, weil ich da an ein letztes Gespräch mit meinem damals zukünftigen, heute derzeitigen und letzten Arbeitbgeber reisen musste – sei mir bitte verziehen. Neuer Job, viel zu lernen, jeden Abend Kopf am dampfen und rauchen.

Langsam spüre ich wieder das Kribbeln, das ich brauche, um auch hier mal wieder etwas über die Tastatur zu tanzen.

Danke für’s Verständnis und ‘stay tuned’.

Ray

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Das gab’s, vor ein paar Tagen, ich wollte bloss nach Aarau. Von hier, Zürich, in die Hauptstadt des Nachbarkantons, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.  Nichts Besonderes, mag man denken, dachte ich auch. Nur hatte ich die Rechnung ohne die Tatsache gemacht, dass meine geplante Reise auf einen Tag nach dem 9. Dezember 2012 fiel. Denn als ich, als Habitué des Ticket-Kaufs via iPhone, die App der SBB startete und dort Ausgangsbahnhof ‘Zürich HB’ und Zielort “Aarau” eingab, sah die Welt schlagartig fremd aus. So, nämlich:

Nun, da ich davon ausgehen muss, dass die SBB davon ausgehen, dass es niemanden gibt, der nicht wüsste, wo ‘Mel’ liegt (nach zwei Semestern Aargauer Provinzgeografie weiss man, dass es sich dabei vermutlich um Melligen handelt). Selbstverständlich ist auch jeder ein Depp, der nicht weiss, wo der Heitersberg ist. Es soll aber Deppen geben, die wollen bloss von Zürich nach Aarau, ohne den Streckenplan der SBB nachvollziehen – geschweige denn im Kopf haben zu müssen.

Wer meint, ich übertreibe hier bezüglich Komplexität, den lade ich gerne ein, auf der App eine der gebotenen Optionen anzuwählen. Da kommen dann nicht etwa die vertrauten Fragen nach Klasse, Halbtax, Reisedatum usw. Nein, da wird dann nach “Z-Pass-A-Welle-Einzelbillet” bzw. “Z-Pass-A-Welle Tageskarte” gefragt. Was immer dann eine “A-Welle” sein mag. Woher, in Dreideibelsnamen, soll ich wissen, welche der Optionen die ist, welche ich brauche? Wo die “B-Welle” ist, wage ich hier nicht zu fragen – gibt’s die?

Zwischenfazit (1)
Wer die Geografie der Schweiz und den Zonenplan der SBB nicht sehr detailliert kennt, ist mit der App aufgeschmissen. Wenn der Kunde – wie ich im konkreten Fall – noch nicht mit Sicherheit weiss, mit welchem Zug er reisen wird (siehe unten) nützen ihm auch die Geografiekenntnisse in Kombination mit einer detaillierten Kenntnis des Zonenplans nichts. Die Useability der App ist durch die Verkomplizierung der unterliegenden Systeme verschwunden. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zum Bahnhof Stadelhofen zu begeben und ein Ticket am Schalter zu kaufen, denn als Kunde setze ich mich mit der Benutzung der App zwei Gefahren aus: Der, dass ich ein zu teures Billett kaufe – und natürlich der, mit dem falschen Billet auf dem falschen Zug zu sitzen, wofür mich die SBB mit einer hohen Geldbusse bestrafen würde.

Aber die Geschichte geht weiter.

Am Schalter im Bahnhof Zürich Stadelhofen sass eine junge Dame, offensichtlich eine ‘Trainee’ oder Praktikantin oder etwas in der Richtung, denn in ihrem Nacken sass ein älterer SBB-Beamter, der sie offensichtlich in die Kundenbedienung einwies. Ich war an diesem Punkt schon ziemlich irritiert, beherrschte mich aber ungemein, bemühte mich, der Dame genau die Informationen zu geben, welche sie brauchte: “Grüezi, ich brauche bitte ein Billett, 2. Klasse von Zürich Hauptbahnhof nach Aarau, retour, gültig ab sofort. Ich habe ein Halbtax-Abo und reise auch heute zurück.”

Innert weniger als einer Minute hielt ich mein Billet in Händen. Die Dame hatte nicht rückgefragt, sie wusste ja, dass ich nach Aarau wollte. Das war wirklich tadellos. Ich habe bar bezahlt und mich dann noch an den im Hintergrund sitzenden Vorgesetzten gewendet. Ich fragte ihn, warum es möglich ist, dass die Dame am Schalter mir problemlos ein Billett verkaufen kann, während ich auf dem Internet-Portal der SBB (und wohl auch bei den Billett-Automaten) Fragen nach  Zonen, Routen und “Z-Pass-A-Welle” zu beantworten habe, wenn ich doch bloss nach Aarau wolle. Die etwas überfordert unfreundliche Antwort: “Es gibt ja einen Zonenplan, da können sie….”.  Ich bat darum, meine Beschwerde an höhere Gremien weiterzuleiten und verliess die Schalterhalle. Mit einem Billett in der Hand, diesem hier:

Ticket_ZPass

 

Das, ist ein Billett, Zürich HB nach Aarau, retour, mit Halbtax-Abo, Rückreise am gleichen Tag. Man glaube mir das. Offensichtlich in Form einer Tageskarte ausgestellt, weil das (wie soll ich das wissen?) die für mich günstigste Variante war.

Zwischenfazit (2)
Auf dem Ticket erkennt kein Normalsterblicher mehr, was es ist. Ein Wust von Zahlen und Codes. Ich musste davon ausgehen, dass ich mit dem Ding nach Aarau reisen darf, ohne von den SBB wegen angeblichen Billett-Betrugs gebüsst zu werden. Wer nun meint, ich hätte einen qualitativ schlechten Scanner, darf beruhigt sein. Der ist erstklassig. Was qualitativ unbrauchbar ist, ist der Ticket-Drucker von der SBB. Der druckte das Papierchen nämlich so miserabel aus, dass das Billett nicht mehr als Spesenquittung in einer Firma zu gebrauchen wäre – der Preis ist nicht lesbar. Vermutlich erwarten unsere Staatsbahnen, dass die Kontrollstellen aller Schweizerischen Unternehmen nicht nur den Zonenplan, sondern gleich noch die darunter liegende Tarifstruktur auswendig kennen.

Aber die Geschichte geht weiter.

Ich habe am Hauptbahnhof die Anzeigetafel nicht fotografiert, sie bot aber die gleiche Information wie der Online-Fahrplan der SBB, nämlich die, dass zwischen 11:00 und 11:08 sage und schreibe vier direkte Züge den Zürcher Hauptbahnhof in Richtung Aarau verlassen. Was man auf der Anzeigetafel dort nicht sieht, ist die Fahrzeit. Die ist unterschiedlich – was auf unterschiedliche Streckenführung zurückzuführen sein dürfte.

Damit sind wir wieder bei der Frage nach “Wo oder was ist Mel?”  (siehe oben). An diesem Punkt, da mitten im Gewusel am Hauptbahnhof dachte ich dankbar an die junge Beamtin am Schalter am Bahnhof Stadelhofen zurück. Sie hatte mir ein Billett verkauft (nahm ich mal an) mit dem ich auf irgendeinen der vier Züge steigen könnte, die da nach Aarau fuhren. Hätte ich selber gewurstelt, wäre ich hier verloren gewesen, denn entweder hätte ich überzahlt (übrigens, mit einem zu teuren Ticket darf man auch nicht auf dem billigen Zug fahren – mich wollte man mal zum Ausstieg von einem Zug zwingen, deswegen – aber das ist eine andere Geschichte), oder ich hätte riskiert, happig gebüsst zu werden.

Zwischenfazit (3)
Selbst wenn man den Zonenplan der SBB kennt und in Geografie verdammt gut aufgepasst hat, nützt das alles nix. Man muss den Fahrplan auch noch kennen, um sich mit unseren Staatsbahnen bewegen zu können, ohne auf die eine oder andere Weise über den Tisch gezogen zu werden. 

Aber die Geschichte geht weiter.

Auf dem Zug dann, gab es eine Billettkontrolle. Ich händigte der Kondukteuse nun statt wie früher immer mein iPhone, mein unleserlich gedrucktes Papierticket und mein Halbtax-Abo aus. Noch nie habe ich Zugspersonal so lange studieren sehen wie da. Bei dieser attraktiven jungen Frau sah man die Synapsen fast durch die Frisur durchglühen. Nach 20 Sekunden des angestrengt auf mein Billett starrens, reichte sie mir dieses zurück und sagte etwas verunsichert “Merci!”. Da wollte ich aber nachhaken und fragte sie, ob sie ganz sicher sei, dass mein Billett für diesen Zug auch gültig und richtig und für mich die beste Lösung sei? Ein Schulterzucken war die Antwort – begleitet von der Aussage “Das ist alles neu, ich weiss auch nicht, aber wir sind angewiesen, möglichst kulant zu sein. Wissen sie, wir haben unzählige Beschwerden von den Passagieren.”

Zwischenfazit (4)
Das Personal, das mit den durch die Umstellungen im Tarifsystem verursachten Kundenärger, der sich wohl hie und da in Wut äussern dürfte, konfrontiert wird, ist möglicherweise selber mit der Situation überfordert. Das mag sich vielleicht mit der Zeit legen – aber für den Kunden bleibt nur eine Gnadenfrist, bis die Kulanzregel wieder zurückgenommen wird. 

Aber die Geschichte geht weiter.

Ginge sie, wenn ich jetzt nicht selber langsam genug davon hätte. Sonst könnte ich ja von meinem gestrigen, fiesen Besuch am Schalter im Bahnhof Stadelhofen schreiben, wo mir auf meine sachlich vorgetragene Beschwerde bezüglich Intransparenz des Systems doch tatsächlich wieder “Aber es gibt ja einen Zonenplan…” geboten wurde.

Schlussfazit
Sonnenklar ist für mich nur Eins: All die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SBB, die sich mit den Kundenreaktionen auf das hirnrissige, wenig durchdachte, überhaupt nicht kundenorientierte neue Tarifsystem herumschlagen müssen, werden dafür nicht einmal einen warmen Händedruck kriegen. Die eben ab irgendeiner Uni abgegangenen Technokraten (die nicht mal wissen, was ein Kunde ist), die sogenannten Berater, die hinter all dem stecken, werden sich über Beförderungen, Boni und Lohnklassensprünge freuen können.

Frohe Weihnachten, allerseits.

Nachtrag: Zum gleichen Thema wurde hier auch was geschrieben – lesenswert!

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Ein Ja für Zürich und die Kunst

von Ray am 03/11/2012

in Gebloggt

<Bild: Kunsthaus Zürich>

Am 25. November 2012 haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt Zürich – zu denen ich mich glücklicherweise zählen darf – das Privileg, über die Zukunft von Kunst in ihrer Stadt, ja über einen nicht unbedeutenden Aspekt ihrer Zukunft zu entscheiden.

Die Finanzierungsmodalitäten für die Erweiterung des Zürcher Kunsthauses müssen beschlossen werden – und als Mitglied der Kunstgesellschaft der Stadt Zürich, als Mitglied des Überparteilichen Komitees Ja zu unserem Kunsthaus und vorallem als grosser Kunstliebhaber und Freund dieser schönsten Stadt der Welt, bitte ich alle mitlesenden Stimmberechtigten, ein Ja in die Urne zu legen.

Der dringend notwendige Erweiterungsbau, das grossartige Projekt des Architekten David Chipperfield und seinem Team zusammen mit den angepassten Betreiberkonzepten werden unsere Stadt auf vielen Bereichen aufwerten, sie noch sehens- und besuchenswerter machen, der Öffentlichkeit eine überwältigende Anzahl grossartiger Kunstwerke konzentriert und korrekt präsentiert zugänglich machen. Auch wenn ich nur an einer winzig kleinen Ecke an diesem Grossprojekt mitgearbeitet habe, bin ich mit Feuer und Flamme dabei, stehe mit allen meinen Sinnen dahinter. Wer sich über das bis ins hinterste Detail ausgearbeitete Projekt näher informieren möchte, findet auf der Website kunsthaus-ja.ch eine Vielfalt von handfesten Gründen, für ein Ja.

Attraktiv alternativ lohnt sich ein (gratis) Besuch am Heimplatz in der Ausstellung Das Neue Kunsthaus – Grosse Kunst und Architektur in der das Projekt im Detail (von Modellen bis zu 1:1 Baumustern) vorgestellt wird. Neben der Architektur kommen auch Gemälde und Skulpturen nicht zu kurz. Einige der schönsten Schätze des Kunsthauses werden zusammen mit den (durch den Erweiterungsbau) endlich integrierbaren, kostbaren Sammlungen Bührle und Looser so präsentiert, wie es das Neue Kunsthaus möglich machen wird.

Die Ausstellung beweist – die Erweiterung des Kunsthauses wird Zürich enorm aufwerten. Für alle die hier leben, für alle, die uns hier besuchen.

Also:

 

Nachtrag aus aktuellem Anlass: Das Zürcher Stimmvolk hat am 25.11.2012 mit einer Mehrheit von 53,9% der Vorlage ‘Kunsthaus-Erweiterung’ zugestimmt. Ich bedanke mich bei allen, die die Zürcher Kunstgesellschaft, das Kunsthaus und alle Kunstliebhaber aus Nah und Fern nicht im Stich gelassen haben. Zürich – für mich die Stadt der Städte – wird dadurch um eine grossartige Fazette reicher, lebenswerter und wird sich weiterhin in dem Licht zeigen können, das Ihr gebührt.

 

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Wenn ich zuweilen von zu Hause aus in Richtung Limmatquai unterwegs bin, gehe ich meist die hübsche, altstädliche Kirchgasse hinunter zum Grossmünster. Nicht wegen dem Grossmünster, sondern wegen der Buchantiquariate auf dem Weg dahin. Gleich mehrere davon befinden sich links und rechts und wenn das Wetter günstig ist, stehen auch Regale und Tische voll mit Büchern draussen auf der Gasse. Da mal kurz rumzustöbern hat mir schon mehr als einmal zu einem günstig erstandenen Highlight in meiner privaten Bibliothek verholfen. So auch vor ein paar Tagen, als mir ein wunderschöner Bildband mit den Fotografien des Ballonpioniers Eduard Spelterini in die Hände fiel und für wenig Geld in meinen Besitz überging. Das perfekt erhaltene Buch ist lediglich durch die eingekritzelte Widmung “Für Goni, Weihnachten 2007″ von einem Neukauf zu unterscheiden.

Eduard Spelterini war zu seiner Zeit weltberühmter Ballonpionier und begnadeter Fotograf – eine Kombination, die uns nun in diesem beim Verlag Scheidegger & Spiess erschienenen Bildband zu phänomenalen An- und Einsichten verhilft. In einer grossen Anzahl grossformatigen Schwarzweissaufnahmen aus dem Zeitraum 1893 bis ca. 1910 zeigt uns Spelterini Luftansichten verschiedener Schweizer Städte – allen voran von Zürich das damals noch ein Städtchen war – aber auch von schon in damaligen Zeiten riesigen Siedlungen, wie Beispielsweise Kairo oder Johannesburg. Bei den meisten der Fotografien handelt es sich aber atemberaubende Ansichten aus Überflügen über die Alpen, die uns die Bergwelt in ihrem damaligen Zustand vor Augen führen. Wer sich wie ich gerne mit den Alpen und ihren Bergen befasst, wird staunen, wie es ‘da oben’ noch vor etwas über hundert Jahren ausgesehen hat. Die Überfirnung, die Vereisung der Gipfel und die Ausdehnung der Gletscher in den Alpen hat sich in diesem Zeitraum dermassen verändert, dass es bei einigen der Aufnahmen kaum mehr möglich ist, mit Sicherheit festzustellen, wo genau sie gemacht wurden. Das gelang auch den Herausgebern des Buches nicht immer, bei einigen der Bildbeschreibungen handelt es sich um mit einem Fragezeichen versehene Vermutungen.

Der bekannte Schweizer Autor Alex Capus hat im Sinne eines Vorworts zum fotografischen Werk eine kleine Biografie des Ballonpioniers beigesteuert, aus der wunderbar hervorgeht, was Spelterini (ein Name den er sich selber zuschrieb, er hiess eigentlich Schweizer, stammte aus einer Wirtefamilie im Toggenburg) in die Luft trieb und welch sensationelle Pioniertaten er dort zu seiner Zeit vollbrachte. Lesenswert!

Das Buch ist nicht vergriffen, man kann es sich im Buchhandel bestellen. Noch mehr Freude daran hat man natürlich, wenn man es als Schnäppchen von der Kirchgasse nach Hause tragen kann.

Eduard Spelterini
Fotografien des Ballonpioniers

Bilingual Edition German/English
Verlag Scheidegger & Spiess AG, Zürich
ISBN 978-3-85881-188-2 

 

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Dies ist von allem Anfang an ein werbefreies Blog gewesen und wird das auch bleiben. Trotzdem habe ich manchmal etwas redaktionelle Werbung gemacht, für Dinge, Produkte, Anlässe, Ausstellungen und Veranstaltungen, die mich begeistert haben. Ich habe allerbesten Grund, dies hier und jetzt gleich wieder einmal zu tun, denn ich habe ein doch ganz ausserordentlich begeisterndes Wochenende hinter mir.

Gstaad Alp Social 2012‘ hiess der Event, zu dem das renommierte Hotel Bernerhof in Gstaad, wie auch der dort ansässige Delikatessenhändler und Nobelcaterer Pernet Comestibles – World of fine Food eine grosse Schar von ‘Social Media’ affinen, vor allem stark in der Twitter-Szene engagierten Menschen zu sich ins Saanenland einluden. Die 60 Plätze, die für den grosszügig gesponsorten Anlass zur Verfügung standen, waren dann innerhalb vielleicht zwei Stunden über ein professionell für den Anlass eingerichtetes Buchungsportal vergeben. Wer da hin wollte und nicht mehr zu einem Ticket kam darf sich – es tut mir Leid, das sagen zu müssen – grün und blau ärgern. Denn was da in Gstaad und Umgebung geboten wurde, war wirklich allererste Sahne!

Foto von der ‘Alp Social 2012′-Wanderung: Der Lauenensee mit Kuh.

Es geht hier nicht darum, dass ich mich über all die Vergnüglichkeiten – von herrlicher Bergwanderung mit Transport, bis Nobelbüffet auf der hoch gelegenen Alp Züneweid oder die wohl eher symbolisch gemeinten Zimmerpreise im Bernerhof auslasse. Alle, ausnahmslos alle Teilnehmer haben das genossen, geschätzt, werden es auch so schnell nicht vergessen. Da konnte man mal richtig in den Superlativen suhlen. Perfekt organisiert, sehr sympathisch durchgezogen und vorallem: vollkommen unaufdringlich.

Es sei mir, der aus beruflichen Gründen schon oft an gesponserten Anlässen aller Couleur dabei war, eine kleine Analyse erlaubt. Warum ist mir diese ‘Gstaad Alp Social 2012′ so angenehm eingefahren? Ich wage da ein paar Spekulationen:

Die offensichtlich gut beratenen Sponsoren haben den Teilnehmern nicht schnöde ihr Produkt präsentiert, schmackhaft gemacht. Klug! Nein, sie haben den eingeladenen Gästen – sich selber weit im Hintergrund haltend – eine wunderbare Plattform für den Austausch untereinander gegeben. Da wähnte sich niemand im geringsten an einer gesponserten Werbeveranstaltung. Aber alle fanden sich an einem wunderschönen Ort, bei sympathischen Gastgebern, in einem tollen Hotel, mit fantastischen Delikatessen im Glas und auf dem Teller. ‘Gstaad Alp Social 2012′ war pures Vergnügen, Interaktion und Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden, Begegnung mit neuen Gesichtern, in perfektem Ambiente zur genau richtigen Zeit. Eleganter, dezenter und sympathischer als es die Sponsoren getan haben, kann man einen Teppich nicht ausrollen. Ganz grosses Marketing-Kino, so macht man sowas und bleibt in bester, wirklich allerbester Erinnerung.

Wäre es schon möglich, ich würde sofort für ‘Gstaad Alp Social 2013′ buchen. Werde ich dann auch – aber vorher werden mich Hotelier und Delikatessenhändler wiedersehen, ich habe noch eine Rechnung mit einem Berg offen, da hinten im Saanenland.

Fotos vom Anlass, by Michael Schmid

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Das Niveau von Was und Wer sich heute so auf dem Medienbereich tummelt und sich angestrengt selber mit dem Wort ‘Journalismus’ in Verbindung zu bringen sucht, sinkt immer tiefer. Ich dachte doch bis anhin, hier in der Schweiz sei der ‘Blick am Abend’ der absolute Tiefpunkt. Das Tote Meer der Buchstaben, sozusagen. Ich habe mich getäuscht., denn langsam kann ich mich des Gefühls nicht mehr erwehren, dass eine andere Postille oder wie man so einen Gratisrag auch immer nennen will, selbst das Geld für tippgewandte Schimpansen nicht mehr aufbringen kann. Ein Beispiel aus 20minuten:

Kates Kampf-Muslima von Kuala Lumpur

Entdeckt auf den Fotos von der Asien-Reise des britischen Prinzenpaars: Die härteste Security-Frau der Welt. Ausserdem lässt sich mit ihr Prima «Wo ist Walter?» spielen.

Bild: Keystone/AP/lai Seng sin
 
Volle Konzentration, grimmiger Blick – und die rechte Hand stehts zum Karate-Schlag gespannt: Diese Kopftuch-behangene Frau folgt Princess Catherine auf ihrem Malaysia-Trip wie ihr eigener Schatten. Ihr Name ist unbekannt; durch Zoom wissen wir nur, dass sie Teil des Security-Dispositivs für den royalen Staatsbesuch ist. Ausserdem steht fest: Diese Frau ist knallhart.

Kaum entdeckt man sie auf einigen Fotos, kommt man nicht umhin, mit sämtlichen Pressefotos «Wo ist Walter?» zu spielen. Los! Sie wollens doch auch!

(obi) 

Bilder und Text: 20min.ch (online)

Gut, dass (obi) wer immer das sein mag, den Humor und die journalistische Gabe einer Amöbe nicht sein/ihr Eigen nennen kann, liegt wohl in Einklang mit den Eigenschaften des zuständigen Redaktors. Dass da aber schlicht nicht erkannt wird, warum es diese Fotos überhaupt gibt, warum mit Sicherheit die Britische Diplomatie dafür gesorgt hat, dass genau diese Fotos eine möglichst grosse mediale Verbreitung finden, wäre dann die andere Geschichte. Denn: Der Bruder des mit seiner Ehefrau abgelichteten Prinzen William ist justament dieser Tage ärgstens in den Schusswinkel radikal-islamistischer Gruppierungen geraten, nicht nur US-Amerikanische Botschaften weltweit werden von erzürnten Muslims belagert. Das Britische Königshaus stellt da ostentativ seine Kronjuwelen in den Schutz einer muslimischen Leibwächterin.

Da drüber zu schreiben, hätte zumindest mal einen Ansatz von Journalismus aufflackern lassen!

Dass es keine “Princess Catherine” gibt, weiss ja eigentlich jeder, der mal schon beim Coiffeur war und die dort aufliegende Weltliteratur genossen hat. Vielleicht erwarte ich einfach zuviel von so einem Boulevardblatt. Ach, was reg’ ich mich auf? Zum anheizen eines Lagerfeuers und als Notfalltoilettenpapier kann man den Wisch ja brauchen. Da dann aber auch nur die Papierausgabe, wenn ich mir’s so überlege…

Macht nix, ich lass’ ja eh nicht gerade alles an meinen Anus. Weil da kommt ja in der Regel das raus, was die in der Schweiz verteilen. Am Bahnhof und im Tram. Fast jeden Tag.

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…tue ich sonst nicht viel. Bezahlte Werbung gibt’s hier auch nicht, denn wenn ich für etwas werbe, dann tu ich das aus Begeisterung. Punkt. Auf das Angebot, mit Bonbons einer neuen Sorte belohnt zu werden, wenn ich ein ‘virales’ Werbevideo hier posten würde, bin ich aber sofort und gerne eingegangen. Nicht speziell, weil mich die beworbenen Bonbons begeistert – die habe ich noch nicht gekriegt und weiss deshalb gar nicht, ob und wie die schmecken. Nein, ich baue das Video hier drauf, weil es mir sympathisch ist. Es macht nicht nur Werbung für Bonbons – sondern eben auch für eine sympathische, gut gelaunte und vor Lockerheit strotzende Stadt an einem warmen Sommertag im August 2012.  Zürich.

YouTube Preview Image

Die Aufnahmen wurden bei der Pestalozzi-Wiese an der Zürcher Bahnhofstrasse – mit amtlicher Bewilligung für das Projekt, nota bene – an einem Tag, dem 8. August 2012 gedreht. Wer sich für weitere Informationen über dieses Happening interessiert, liest am besten hier weiter.

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Gottlieb

von Ray am 21/08/2012

in Gedacht,Gelebt

Etwas ausser Atem vor Anstrengung zog ich mich am nächsten Kleiderschrank von Felsen hoch und suchte mit den Fussspitzen nach einer Stelle unter mir, die mir genügend Halt geben würde um mich ganz auf den Steinblock hinauf zu bringen. In dem Moment sah ich ihn. Er sass da, keine zehn Meter von mir entfernt auf einem anderen Felsblock. Barfuss – und ass. Ich robbte über die Felskante, stand auf und klopfte mir den Staub von den Hosenbeinen. Er schaute mich lächelnd an, während ich auf ihn zuging um ihn zu begrüssen und schnitt mit einem Taschenmesser in eine Tomate. Hier oben trifft man nicht oft Menschen. Schon gar nicht solche, von denen man sich beim ersten Anblick wundert, wie sie überhaupt so weit hinauf auf den Berg gekommen sind. Auch machte er an einer seltsamen Stelle seine Rast. Den Gipfel des Bergs konnte man von hier aus noch nicht sehen, aber ich wusste, dass er kaum mehr als fünfzig Meter über uns und nicht mehr als zweihundert  Meter von uns entfernt lag. Hier ass der alte Mann Tomaten. Barfuss. Silberhaarig mit Pferdeschwanz, in altmodischen Klamotten, mit hochgekrempelten Hosenbeinen.

Willkommen hier oben, junger Mann!” rief er mir entgegen ”Ist es nicht scheen hier?!” Er fuchtelte mit dem Taschenmesser in die Landschaft zeigend.

Seine Stimme hatte diesen  Akzent, der kommt, wenn Leute aus Ungarn deutsch sprechen. Sie sagen “Tiiir” statt “Tür”, “Kerper” statt “Körper” und wenn’s ihnen gut geht, sind sie “glicklich”.

Danke, jetzt haben wir’s ja fast geschafft. Warum rastest Du hier, der Gipfel ist doch gleich da oben?!” meinte ich mit Blicken auf mein GPS-Gerät und und den Berg.

Ich gehe nicht hoch, weisst Du, ich bin ein alter Mann. Ich bleibe hier und esse. Ich bin miide.

Aber schau, es sind nur fünfzig Meter und klettern musst Du von hier aus auch nicht mehr. Das schaffst Du doch! Wäre schade, so weit zu steigen und dann aufzugeben!

Er kramte in seinem Rucksack und nahm einen Apfel heraus. “Lass nur. Ich bleibe mal hier. Steig’ Du weiter, junger Mann.

Warte hier auf mich, geh nicht weg. Ich komme gleich wieder” sagte ich und machte mich daran, weiter zu steigen.

Über mir wölbte sich der Himmel stahlblau, die Felstrümmer aus denen der Gipfel bestand, neigten sich immer weiter von mir weg, es wurde flacher. Ich blickte zurück und konnte den alten Mann weit unter mir sehen. Er blickte herauf, winkte mit dem Taschenmesser in der einen Hand, es funkelte im Sonnenlicht. Ich stieg weiter  und sah bald den Steinmann. Ein paar Minuten später war ich am Gipfel, der Berg war für mich bezwungen. Mit dem Kopf ausatmen, freuen, auf mich selber etwas stolz sein, den Adrenalinfluss geniessen, die Aussicht bewundern, die frische, kalte Luft tief inhalieren. Mein eigenes Gipfelritual, es ist immer so, wenn ich auf einen Berg steige. Ich ging langsam auf dem kleinen Gipfelplateau umher, machte mich mit der Beschaffenheit der Felsen bekannt, prüfte meinen Höhenmesser, schaute auf die Uhr und kramte einen Apfel aus dem Rucksack. Ich setzte mich hin, wartete darauf, dass sich mein Pulsschlag beruhigt, meine angestrengten Beine sich etwas erholen.

Plötzlich  stand er da, neben mir auf dem Gipfel, ich hatte ihn nicht kommen hören. Er war doch aufgestiegen, mit seinen beiden Stöcken, ohne den Rucksack, den hat er unten gelassen. Dafür hatte er jetzt Schuhe an. Halbschuhe, wie ich sie in der Stadt ins Büro trage, im Winter. Halbschuhe mit Profilsohle. Und leuchtend gelbe Socken. Wir gaben uns die Hand.

Gottlieb, heiss ich. Gottlieb. Du must laut mit mir sprechen, ich heere nicht gut” sagte er und strahlte mich an. Ja, der war glücklich, der Mann.

Ich stellte mich vor, wir tranken aus meiner Wasserflasche. Über dem Abgrund stehend, den grossen Bergsee mehr als einen Kilometer unter uns, blickten wir gemeinsam wortlos in die umliegende Bergwelt. In Gedanken benannte ich die Gipfel, rätselte über die Namen von denen, die ich nicht erkannte.

Das ist das letzte Mal, dass ich auf diesem Berg bin” raunte Gottlieb nach einigen Minuten  in den leichten Wind. “Ich war oft hier oben, als ich jiinger war. Damals machte ich noch Fiinfhundert die Stunde. Ich war gut. Jetzt bin ich alt. Ich schaffe nicht mal Zweihundert. Bin haite frii losgestiegen auf der Alp und habe fast sechs Stunden gebraucht, bis hier hin. Jetzt muss ich noch absteigen. Aber ich war noch einmal da. Zum letzten Mal.

Wir gingen hinüber zum Steinmann, der Steinbeige, die den Gipfel markiert und suchten nach dem Gipfelbuch. Es war da, verborgen hinter ein paar flachen Steinplatten, in einer alten Militärgamelle. Ich packte das Buch aus und den dabeiliegenden Kugelschreiber, gab beides an den alten Mann weiter. Der setzte sich auf einen Felsbrocken und begann, ins Buch zu schreiben. Ich packte meinen Fotoapparat aus und fotografierte Berge und Aussicht.

Mit den Schuhen solltest Du aber nicht solche Berge besteigen, Gottlieb” sagte ich laut, ohne mein Auge vom Sucher der Kamera wegzunehmen. “Da kannst Du Dich bös verletzen damit. Ausrutschen wirst Du damit auch. Unten im Aufstieg hat’s noch Eis.

Ach, weisst Du, mit den Schuhen bin ich noch auf jeden Berg gekommen, in den letzten dreissig Jahren. Und jetzt bin ich alt. Da kauf ich keine neuen Schuhe mehr. Ich bin ja da. Ich bin noch einmal, das allerletzte Mal, auf diesen scheenen Berg gestiegen. Ich bin zufrieden“.

Später bin ich mit Gottlieb abgestiegen. Bis dort, wo die Felsen aufhören und das Gras beginnt, wo es nicht mehr gefährlich ist. Er stieg langsam, sehr langsam. Aber er machte keine Fehler, rutschte nie aus, verkletterte sich nicht in den Felsen.

Beim Abschied drückte er meine Hand.

Hast Du gesehen? Ich brauche keine anderen Schuhe, ich bin ein alter Mann. Ich war zum letzten Mal auf dem Berg.”

Gottlieb atmete tief ein.

Ich war oben. Zum letzten Mal.

 

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