Alles im Griff

von Ray am 13/01/2012

in Gebloggt,Gefreut

Der Loblieder auf Apple und die Produkte der Leute aus Cupertino sind viele. Berechtigterweise, finde ich – denn ich bin über die Jahre zum kompletten Apple Junkie geworden, wegen dem Zeug, das die produzieren. Geräte und Periferie mit dem angebissenen Apfel drauf stapeln sich in meiner Wohnung, wo man hinsieht liegen dünne, weisse Kabel rum. Da kann man machen mit mir, was man will – ich bin sehr glücklich mit dem Zeug. Ich hatte übrigens in den späten 70ern mal einen Apple IIe – mit dem war ich auch glücklich, nur war Glück damals noch was anderes.

Jetzt haben die Leute von Apple mal wieder was erwähnenswertes geboten, von dem ich doch kurz berichten möchte. Vor einigen Wochen kam da eine Email von Apple in Holland. Darin wurde mir mitgeteilt, dass ich Besitzer eines iPod Nano aus dem Jahr 20015 sei. Das stimmte, zu meinem Erstaunen. Immerhin 106 Jahre und es handelte sich ja nicht gerade um ein Auto. Dazu sei man der Auffassung, dass es sich um einen iPod mit schwarzer Front und silbriger Rückseite handeln sollte. Stimmte. Apple meinte zudem, dass bei dem Gerät unter Umständen, die nicht näher erläutert würden, Probleme mit dem Akku auftauchen könnten. Man wolle das Ding austauschen. Dazu gab’s eine Adresse zu einer Website, auf der die Seriennummer des kleinen Flachmanns einzugeben war. Bingo!

Etwa eine Woche später stand ein Bro’ von Doug Heffernan vor der Türe, händigte mir Verpackungsmaterial und und etwas Papier aus. Er kam zwei Stunden später um das Paket, meinen geliebten kleinen, uralten, voll funktionsfähigen Nano abzuholen und nach Holland zu verfrachten.

Heute, ein paar Wochen später, kam Post aus Breda in Holland. Inhalt:

Ein funkelnigelnagelneuer iPod Nano der neuesten Generation, mit 8 von den Gigas drin. Es gibt Unternehmen, die haben’s im Griff.

Apple, zum Beispiel.

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Sternengrillgespräche

von Ray am 28/12/2011

in Gedacht,Gelebt

Männerfreundschaften hören nicht auf. Sie sind einfach. Selbst wenn sie –  aus was für Gründen auch immer – mal etwas weniger intensiv gelebt werden. Sie sind ohne Beeinflussung durch äussere Umstände da, sind schlagartig wieder auf emotionalem Höchststand in dem Moment, in dem die Freunde ein Bierchen trinken gehen. Oder so.

Genau so geschehen heute über Mittag, wo ich mich nach einiger Zeit, in der uns das Berufsleben hier- und dorthin gespült hatte, mit meinem besten Freund mal wieder zu einer alten Tradition zusammenfand. Bratwurst, Senf, Pommes, Ketchup und Bier im ‘Sternengrill’ am Bellevue. Wie früher immer, über viele Jahre. Diesmal halt in der Provisoriumsanlage. Biss in die Wurst, Schluck Bier und die so geschätzte Vertrautheit ist sofort wieder da. Ablästern. Über mich und mein über die letzten vielleicht zehn Jahre leicht chaotisches Privatleben, über die Ausbrüche, die mir gelungen sind. Über Ausbrüche die noch zu meistern sein werden. Über Schatten in unseren Leben, die noch übersprungen werden wollen. Von ihm, von mir.

Wir sind nicht nur älter geworden, er und ich. Wir sind auch weiser geworden. Unsere Gedanken sind nicht alle mehr so konventionell, wie sie es waren, als wir noch junge Streber waren, im Leben. Unsere Sternengrillgespräche sind lockerer, gehen tiefer.  Wir unterliegen wohl beide nicht mehr dem Zwang, irgendjemandem etwas zu beweisen – uns gegenseitig schon gar nicht mehr. Bewiesen haben wir längst schon. Jetzt, da sind mein Freund und ich uns einig, sind wir dran, jeder für sich.

Jetzt gehen unsere Leben in vieler Hinsicht erst richtig los.

Thanks, pal. Was good to see you.

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Fremdgegangen

von Ray am 19/12/2011

in Gebloggt

So ganz sicher, was mir das Vergnügen eingebrockt hat, bin ich noch nicht. Vermutlich habe ich in all zu aufmerksamer Gesellschaft etwas zu laut über eine meiner Leidenschaften geschwärmt. Peng! Da kam sie, die Aufforderung, mal darüber zu schreiben.

Dass diese Aufforderung dann von der Betreiberin eines Blogs kam, auf dem das Fernsehen das Leben einholt, passt dann ja bestens.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Guckt Euch das – und den ganzen Rest vom Blog dort – mal genüsslich an!

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Momentaufnahme

von Ray am 15/12/2011

in Gebloggt,Gelebt

Am Zustand der Arbeitsfläche, des Schreibtischs, der Werkbank, des Studios, des Ateliers soll man erkennen können, was der jeweilige Benutzer gerade so im Kopf hat. Sagt irgendwer. Das soll sogar für die Arbeitsoberflächen von Computern gelten, gibt aber kaum interessante Fotos her. Hier ein Bild von eben, es zeigt, wie es momentan auf meinem Esszimmertisch aussieht. Er dient im Moment auch als Arbeitstisch, weil das da, wo mein Computer steht, wenig Ablagefläche bietet.

Zu erkennen ist hier, dass ich wohl eben am kochen war (war ich, es gab Bœf Bourguignon, den ich als TV-Dinner verspeiste). Wanderplanung ist am tun. Fotografiert wird. Gelesen wird, Unterhaltung gesucht, Galeriebesuche werden geplant. Irgendwas ist mit der Heizung und ich sollte wohl mal noch ein paar Schulungsunterlagen aus vergangenen Zeiten neu sichten. Thema Management mit der “Balanced Scorecard”, unter anderem. Lebensläufe und Bewerbungen wollen geschrieben sein. Gar nicht langweilig, aber anstrengend und wichtig.

Wenn einer also nicht jeden Tag zur geregelten Arbeit geht, heisst das noch lange nicht, er habe nichts zu tun. Meine liebste Nachbarin hat heute beim Anblick dieses Tisches so treffend gesagt: “Ach, so sollte man doch immer arbeiten können, so, und sonst nicht!”.

Recht hat sie.

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Drüben bei Hikr.org gibt’s keinen individualisierten RSS-Feed. Auf mehrfachen Wunsch aus meiner Leserschaft schaffe ich nun Abhilfe, in dem ich ab und zu mal hier die Links durchgebe. Bei zehn Veröffentlichungen wäre da ja ein guter Moment, das zu tun. Hier sind sie in rückwärts-chronologischer Reihenfolge:

Spurdienst und Materialtests im Alpstein (07.12.2011)

Der Neuenalpspitz mit Garnitur im sonnigen Dezember (02.12.2011)

Der Selun für mich (30.11.2011)

Ende November auf den Piz Mock ääähhh… Speer (28.11.2011)

Mattstock-Quickie (25.11.2011)

Leistchamm, Flügespitz, Gulme zur Erholung (24.11.2011)

Federispitz im späten Spätherbst (21.11.2011)

Der Wildhauser Schafberg rief (16.11.2011)

Der Säntis, diesmal zu Fuss (14.11.2011)

Zwinglipass und Mutschen im Herbst (11.11.2011)

Viel Vergnügen beim lesen und bei den Fotos.

Vielleicht auch beim nachwandern?

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Austrohelvetisches Geköch

von Ray am 08/12/2011

in Gefreut,Gegessen

Die Idee tönte so sympathisch wie die Namen der anderen Eingeladenen auf der Liste. Klar, dass ich mich da anmeldete, zur ersten #openkitchen in der Schweiz. Gekannt habe ich das ja nicht. Es geht dabei darum, dass sich Menschen jeglicher Couleur  spontan in der Wohnung von jemandem treffen und dort zu einem vorgegebenen Thema irgendwas kochen. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer, zaubert an so einem Abend ein Gericht für alle, es wird alles verspiesen, kommentiert, gefeiert und bei Gefallen natürlich auch hoch gelobt. Alles ganz easy, kein Wettbewerb! Beim erklärenden Einladungstext fiel mir dann auch besonders die Bemerkung auf, dass bei guten Privatparties jeweils früher oder später die Küche das Zentrum der Geselligkeit sei – was natürlich stimmt. Warum also nicht gleich in der Küche und mit dem Kochen mit der Party anfangen?! Die sympathische Österreicherin @feiaconny war die Ambassadorin für #openkitchen hier in der Schweiz. Sie fand die Gastgeber, @RahelRadisli und @schnitzel, die den acht Teilnehmenden die Küche in ihrer Wohnung im Kreis 5 zur Verfügung stellten. Zudem – und das machte die Sache vollkommen gewitzt – fand zur genau gleichen Zeit in Wien ebenfalls eine #openkitchen Party statt. Conny hat deshalb die Kochmottos der beiden Parties vorgegeben: in Zürich sollte österreichisch, in Wien schweizerisch gekocht werden. So ging ich durch meine Kochbücher und durch’s Internet, fand ein Gericht, das ich mir zutraute und tätigte die nötigen Einkäufe. Am Samichlausabend  läutete ich dann mit Migros-Einkaufstasche bei den Gastgebern und fand bereits eine fröhliche Schar vor. Was natürlich auch da war – schliesslich sind viele Twitterer auch Geeks, Allgemeinspinner und Technikfreaks – war eine auf die Esszimmerwand projizierte Twitterwall plus eine Zweiweg-Live-Video-Streamschaltung in die Küche nach Wien. Wir konnten also den anderen bei ihrer Party in Bild und Ton beiwohnen und sie uns. Ein Gaudium sondergleichen, den ganzen Abend lang.

Schon nach wenigen Minuten standen einander die ersten Köchinnen und Köche auf den Füssen rum und stritten spasshaft um Teigschaber, Bratpfannen und Herdplatten. Dass es bei den Messern nie zu Diskussionen kam, zeigt auf, dass da ein paar nicht ganz unbeholfene Köche das eigene Schneidwerkzeug mitgebracht hatten. Beim Messer halten es die Köche wie mit der Frau – die teilt man nicht, die gehört einem! Sogar ein kostbarer, japanischer Edeldolch war da im Einsatz. Ich war mit meinem Lieblingsmesser, meinem Wüsthoff Classic unterwegs. Und das habe ich natürlich niemandem ausgeliehen.

OpenKitchen-Ambassadorin Conny am Werk

Man stelle sich nun vor: eine normalgrosse Küche und gleichzeitig da drin praktisch immer etwa sechs Personen am kochen. Tolle Dinge standen auf dem Programm: Rahel machte ‘Marillenknödl’ (Aprikosenknödel – was mich in meine Kindheit zurückversetzte), Conny kochte im grössten Topf einen ‘Ritschert’ (ein Eintopf mit Bohnen, Gerste und geräucherten Rippli), @monah mit Partner @bendy_ch wagten sich mit selbst gemachtem, milchfreiem Teig an einen Apfelstrudl, @slartbart bastelte an einem in Lagen aufgebauten Auflauf mit Kartoffeln, Hackfleisch, Broccoli und Käse, wobei der Gute ohne mit der Wimper zu zucken behauptete, dass es sich um eine österreichische Spezialität handle. Die Anwesenden Österreicher bezweifelten dies in ihrer diplomatischen Art natürlich nicht offiziell. Allerdings wussten wir, dass ein Kollege in Wien eine ‘Schweizer Moussaka” kochte – so konnten wir Marc’s Vergewaltigung der europäischen Küchengeografie problemlos durchgehen lassen. Ich selber machte mich an ‘Jaganockerln’ (eine Art grosse Spätzli mit Speck und Käse) zu schaffen und buchte mal eine gute Ecke der Küchentheke mit Schneidbrett für mich. Die ganzen 300g Gruyère schnippelte ich von Hand in 1x1x1 Milimeter grosse Würfelchen, weil die Küchenraffel vom Apfelstrudl belegt war. Die von lautem Gelächter durchzogenen Diskussionen unter den Kochenden wären aufzeichnungswürdig gewesen. “Was tust Du da rein?”, “Hämmer no en Schneebäse?!” , “Hey, dasch miini Platte!!”, “Uiii, wer söll das ässe?!”, “Wer hätt die Herdplatte versauet!?”, “Wääähh!” hallte für eine halbe Stunde oder etwas mehr durch Küche und Wohnung, bis als erstes die feinen ‘Marillenknödl’ auf dem Tisch standen. Mit den Butterbrösln natürlich, wie das sein muss. Ein Genuss!

Meine ‘Jaganockerln’ sind gelungen und ernten Lob von kundiger Stelle (Whew!)

Zwei Personen gehören hier speziell erwähnt: Zuerst Co-Gastgeber Michael, der erst seiner Rahel mit den Knödln zur Hand ging und dann als fantastischer Commis für alle anderen wirkte, wobei er gleichzeitig immer für Nachschub an frisch gewaschenen Kochutensilien sorgte. Eine Superleistung war das, mitten drin, zwischen den messerrasselnden Köchinnen und Köchen! Und dann war da noch der @hofrat, der sich gar nicht gross in die Schlacht stürzte, sondern eher am Rande offensichtlich amüsiert das Geschehen betrachtete. Seine Sternstunde – das wusste ich in dem Zeitpunkt noch nicht – würde noch kommen.

Schlag auf Schlag kamen die Gerichte auf den Tisch und wurden mit viel “Aaaah!” und “Hhmmmmm!” kommentiert, nachdem sie erst vor die Webcam gehalten wurden, damit auch unsere Pendants in Wien sehen konnten, was in unserer Küche gezaubert wurde. Während sich nun die Runde von der Küche in den Essbereich zum schlemmen verlagerte, schlich sich der Clemens an den Herd und zauberte dort das, was sich für mich – und nicht nur mich – als das kulinarisch absolute Highlight des Abends erweisen sollte. Clemens kochte ein ‘Blunzngröstl’ – ein einfaches Gericht das hauptsächlich aus Kartoffeln (gekocht, dann gescheibelt und mit Schale gebraten), geschnittenen und pfiffig gepfefferten Blutwurstrugeli (ich nehme an, in Austria sagt man zur Blutwurst ‘Blunzn’?) und einem Hauch frisch geraffeltem Meerrettich besteht. Der absolute Hammer, ich kann mich jetzt noch kaum erholen, es war einfach wunderbar!

Das ‘Blunzngröstl’ von Clemens. Soul Food at it’s best!

Vor lauter Kocherei ging fast vergessen, dass es Samichlausabend war. Aber auch nur, bis Conny in entsprechender Montur (blinkenden Teufelshörnchen) als ‘Krampus’, der österreichischen Version vom Schmutzli, allen Teilnehmenden noch ein echt österreichisches Chlaussäckli überreichte. Was für eine tolle Idee und Geste!

Der Abwasch gehört natürlich auch dazu – Ehrensache! 

Ein gelungener Abend – bei nächster Gelegenheit will ich wieder an einer #openkitchen dabei sein, es war eine Riesenspass. Herzlichen Dank allen, die beigetragen haben und liebe Grüsse nach Österreich – denn ausser beim Skirennen seid Ihr einfach unsere sympathischsten Freunde!

Alle Fotos vom Anlass von Michael. Mehr davon findet man hier.

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Tja, das mit der Bergwanderei bei mir, das nimmt langsam etwas beängstigende Proportionen an. Insbesondere seit ich so viel Zeit dafür zu haben scheine (das gibt dann einen separaten Blog-Eintrag, in den nächsten Tagen). Sache ist, dass ich nun seit ein paar Wochen praktisch jeden zweiten Tag in irgendeiner Form am wandern bin. Der regionale Fokus wandert auch. Mal Alpstein, mal Zürcher Oberland, mal Churfirsten, mal Speer-Kette. Weitere Regionen werden folgen. Ich bin hin und weg, die Befriedigung, die ich aus meinem neuen alten Hobby (die Fortbewegung per pedes, sei es in der Stadt oder in der freien Natur war immer mein Ding) ist nahezu grenzenlos.  Nun, über all meine Aktivitäten auf dem Gebiet hier auf haze.ch zu berichten, wäre ein Unding. Das hat nichts mit der Hauptlinie zu tun, die ich für haze.ch vorgesehen hatte – darum habe ich die seriösere Fotografie ja auch auf streetshots.ch ausgelagert. Kommt dazu, dass es eine wirklich fantastisch aufgebaute, weltweit gelesene Website, Hikr.org, gibt, die sich mit der ganzen Wander-, Bergsteiger- und Mountainbikerszene befasst und die nun wirklich auf technisch höchstem Stand alles bietet, was des Wanderers Herz begehren mag. Ich habe nach kurzer Evaluation entschieden, alles was meine Wander- und Bergtouren angeht, ab sofort nur noch dort zu veröffentlichen. Mit Fotos, allem Drum und Dran – und es hat gute Fotos dabei und ab und zu auch mal ein – denke ich – lesenswertes Geschreibsel.

Meine persönliche Seite auf Hikr.org findet man unter diesem Link, oder in dem man auf das Hikr-Logo in der rechten Spalte klickt.

Viel Vergnügen auch dort!

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Nun, die Idee von dem Blog hier ist natürlich nicht, dass ich andauernd über meine vielen Wanderprojekte und -unternehmen berichte. Da müsste ja dann schon ein dediziertes Blog dafür her – und ich habe schon zwei, das müsste doch eigentlich schon genügen. Trotzdem noch einmal etwas aus der freien Natur. Einfach, weil die Wandersaison 2011 nun wirklich langsam zu Ende geht und weil letzten Donnerstag die Nebeldecke höher hing als sonst, in diesen Spätherbsttagen.

Das kam alles so spontan, dass ich bezüglich Planung oder gar Landkarten überhaupt nichts dabei hatte. Ich war nämlich schon auf dem Weg ins Zürcher Oberland für eine Tour von Steg über den Hüttchopf und die Scheidegg, als am Radio der Mann vom Wetter meinte, die Nebelobergrenze liege bei 1’200 Metern. Das wäre arg knapp für die geplante Tour, ich würde mich im besten Fall gerade knapp über dem Nebel wiederfinden, wobei sämtliche Aufstiege in der Suppe ablaufen müssten. Also disponierte ich während der Fahrt um und blieb auf der Autobahn um später das Toggenburg hinauf zu fahren. Das war zwar auch unter dem Nebel bzw. mitten drin, aber schon etwas heller, irgendwie. In Wildhaus angekommen drückte die Sonne schon stark. Hier war ich also hoch genug. Schnell hin zum Touristenbüro, wo mir eine nette Dame, die sich über meinen spontanen Besuch im Obertoggenburg sehr erfreut zeigte, ein paar Tips gab und mir eine vernünftige Karte verkaufte.

Was daraus geworden ist, will ich hier festhalten. Sei schon jetzt erwähnt, das war eine der schönsten Bergtouren seit langer, langer Zeit. Ein wunderbares Highlight zum Abschluss des Wanderjahres.

Von Wildhaus, dem grossen Parkplatz da, hinter dem Hotel Sonne, steigt man locker und auf Fahrsträsschen hinauf nach Gamplüt. Wer sich den halbstündigen Anstieg sparen will, kann auch eine lustige kleine Seilbahn nehmen, die übrigens ganzjährig in Betrieb ist, wie das Restaurant an der Bergstation. Gamplüt, eben. Steht man auf dieser Alp, sieht man in Talrichtung hinüber zu den Churfirsten, allen voran natürlich zum Chäserrugg,  dem mächtigsten dieser imposanten Bergriesen. Schaut man in genau die umgekehrte Richtung, sieht man eigentlich nur eins:

Den Wildhauser Schafberg, der einem fast erdrückt, so steil und nah hat man ihn vor der Nase. Da steig’ ich nächstes Jahr mal rauf, come hell or high water. Aber an diesem Tag war eine andere Tour geplant. Ich machte mich also auf nach Nordosten, in den Tesel, an dessen Ende sich die Teselalp befindet. Der Tesel, ein zwischen steilen Felswänden eingeklemmtes, grünes Tal, gibt einem imponierende Blicke hinauf in die Schafbergwand, eine scheinbar spiegelglatte, vertikale Felswand die im Sonnenlicht fast weiss leuchtet. Sie ist hunderte von Metern hoch und beim Gedanken, dass es Leute gibt (ich traf ein paar junge Frauen an z.B.), die da raufklettern, wird mir schwindlig.

Bei der Teselalp angekommen, ging mein Weg links und steil an der Bergflanke in Richtung Zwinglipass hinauf. Der Weg ist lang, steinig, anstrengend. Aber er ist sehr sicher, offenbar hat man erst kürzlich an einigen abgebrochenen Wegteilen repariert, damit ein Stolperer an diesen Stellen nicht gleich zum mehrhundertmetrigen Absturz würde.

Irgendwann, nach langer Zeit, wird der Weg flacher und verirrt sich streckenweise in einem Irrgarten von Felsblöcken die nach einem Bergsturz vor Jahrhunderten auf einer Alp liegen geblieben sind. In diesem Wirrwar kommt man nicht gut vorwärts und tut sehr gut daran, sich absolut exakt an die auf die Felsen gemalten Wegmarkierungen zu halten. Am besten steht man auf jede drauf, bevor man sich über den Weiterweg orientiert. Grund: zwischen den Felsen gibt es immer wieder tiefe Spalten, die einen an Geltscherspalten erinnern, aber fest zur Topografie gehören, auch wenn an ihrem Grund noch Eis liegt. Da will man nicht reinfallen – und drüberspringen geht auch nicht überall.

Nach vielleicht eineinhalb Stunden Aufstieg von der Teselalp gerechnet, ist das Dach der Zwinglihütte des SAC im gleissenden Sonnenlicht zu sehen. Sie steht kurz vor der Passhöhe in den Felsen, den optischen Hintergrund bilden Girenspitz, Oberscheren und der Altmann, allesamt beliebte Kletterberge. Trotz dem nun wirklich vergangenen Ende der Saison, ist die Hütte noch in Betrieb, das Gastgeberpaar klopft gerade Matratzen aus, die Hütte wird wintersicher gemacht. Für einen Schwatz und einen Schluck langte die Zeit aber noch lange. Der Feldstecher tat gute Dienste, wir beobachteten vom Tisch auf der Terasse der Hütte aus ein paar Kletterer, die sich hoch über uns mit Seilen und Felshaken abmühten. In den wilden Felsstrukturen der Wände über uns kraxelten noch andere Bergler herum, übrigens: Steinböcke. Teilweise sehr grosse Tiere, deren Kletterkünste einem vor Bewunderung den Kiefer auf  die Tischplatte knallen lassen.

Weiter ging es zur Passhöhe von wo aus sich ein dramatischer Ausblick hinunter ins Fälental eröffnet. Eine gewaltige Steinwüste, kaum Vegetation, kleinere Schneefelder.

Immer noch labyrinthartige Felsbrockenlandschaft, mit einigen, nicht ungefährlichen Spalten. Mein Weg geht nach rechts, in Richtung Chreialpfirst und Mutschensattel. Eine gute Seele vom SAC hat  gross ‘First’ und ‘Mutschen’ auf einen Felsblock gepinselt und rot/weiss markiert, zum Glück. In dem Labyrinth wäre die richtige  Richtung schwer zu finden und vom Weg abkommen will man da ja auch nicht. Was folgte, ist eine sensationelle Gratwanderung über mehrere Kilometer.

Nach vielleicht einer halben Stunde und der Traverse einiger kleiner Schneefelder wurde dann hinter mir der Säntis sichtbar, der sich bis anhin vom Blickwinkel her hinter dem Altmann und dem Schafberg verborgen hatte. Gelangt man an den Mutschensattel, wo sich ein Bergwanderweg vom Hohen Kasten mit der eigenen Spur vereinigt, tut man am besten zwei Dinge: Erstens, man kraxelt schnell noch die letzten 50 Meter zum Gipfelkreuz des Mutschen hoch, damit man den im Palmarès hat. Zweitens, man setzt sich in den Schnee oder ins Gras und bestaunt die Aussicht nach Osten. Denn hier blickt man von oben in die vielen Felspfeiler der Chrüzberge und sieht dahinter und dazwischen ins St. Galler Rheintal hinunter, dass da fast 1700 Meter tiefer liegt. Unter einer dicken Nebelschicht, im Fall meines Besuchs auf dem Sattel.

Jetzt ging es wieder bergab. Endlos, wie mir schien, das Tal hinunter zur Teselalp. Der Weg ist steil, führt durch eine zerklüftete Landschaft, in der an einer Stelle sogar leicht geklettert werden muss. Bei einem kurzen Schwatz mit einem anderen einsamen Wanderer, der sich vom Hohen Kasten kommend ebenfalls auf dem Abstieg in Richtung Teselalp befindet, wurden wir uns schnell einig: Beim runterkraxeln wundert man sich andauernd, dass man tatsächlich so weit hochgekraxelt ist. Abstiege erscheinen wie immer anstrengender und länger.

Gut drei Stunden nach dem ich mich von den Hüttenwarten in der Zwinglihütte verabschiedet hatte, erreichte ich dann die Teselalp, von wo es auf sehr komfortablem Weg zurück nach Gamplüt, am Fuss des Schafbergs geht. Dort gab’s auf der immernoch sonnenüberfluteten Terasse des Restaurants noch einen Most gegen den garstigen Durst, nach dieser knackigen Wanderung (16 km, 1’400 Höhenmeter aufwärts, knapp 6 Stunden), bevor der Abstieg in den kalten Nebel begann. Der Blick nach unten zeigte, dass nun auch Wildhaus in der weissen Watte verschwunden war.

Diese wirklich sensationelle Tour bei Wetter, das nicht hätte übertroffen werden, lieferte wieder einen Beweis dafür, dass es sich wegen Naturschönheiten allein kaum lohnt, die Schweiz zu verlassen.

Wir leben im Paradies.

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