Reisepläne, endlich wieder

Alle paar Jahre wieder muss es einfach sein, bei mir. Das Verlangen, möglichst unverzüglich nach New York City zu reisen bricht ab und an einfach spontan über mich herein. Auslöser kann irgendetwas sein. Diesmal ist mir aber klar, was mich in die Arme der nächstbesten Airline getrieben hat um Tickets zu buchen. Es waren all die Berichte in den Medien, über den verrückten Winter, den die nordamerikanische Ostküste dieses Jahr durchzustehen hat. Es gab Tage, da konnte man den Fernseher auf jedem beliebigen Kanal einschalten und es würde kaum fünf Minuten gedauert haben, bis Bilder aus New York oder Boston über den Bildschirm liefen. Das hat dann die Flamme an meine Lunte gehalten und ich habe wieder einmal gebucht.

NYC

Am 11. März geht’s also für ein paar Tage hinüber, wo ich mich über alles was so neu ist im MoMA auf den heutigen Stand bringen möchte. Ein Bisschen einkaufen, meine Lieblingsspaziergänge inklusive den über die Brooklyn Bridge nach Brooklyn zum x-ten Mal wiederholen, essen in der Oyster Bar, Martinis sippen im Drehrestaurant The View auf dem Dach vom Marriott Marquis, Hot Dogs mit Kraut vom Wagen essen und Bücherläden durchstöbern bis die Augen aufgeben. Ein Novum dann, dass ich einen Besuch in Boston anhängen werde, wo ich einen guten Freund und seine Freunde besuchen werde – so wie es im Moment mit dem Schnee aussieht, wohl mitten im Winter. Übernachtet wird im Hampton Inn an der West 35th in Manhattan, in Boston ebenfalls Hampton Inn, nicht weit von MIT und Harvard. Den Trip von New York nach Boston mache ich mit Amtrak von der Penn Station nach Boston South. Die drei Tage in Boston sind vom Datum her so gelegt, dass ich wohl allerhand von den St. Patrick’s Day Anlässen und dem allgemeinen Grüntaumel dort mitkriegen werde. Wenn alles klappt, werde ich zudem mit der Feuerwehr in Chelsea bei Einsätzen mitfahren können – die Ausbildung für und Erfahrung mit für sowas habe ich. Die ganze Reise wird sicher eine rundum coole Sache, ich freue mich jedenfalls jetzt schon mächtig und kann kaum warten, bis ich endlich an den Flughafen raus kann um United Airlines ihr Ding machen zu lassen. Stay tuned for reports.

Paul Gaugin in der Fondation Beyeler

Mit viel Vorschusslorbeeren war sie bedacht, die Ausstellung eines wichtigen Teils des Werks des französischen Postimpressionisten Paul Gaugin (1848-1903) in der eminenten Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Als Liebhaber nicht nur des Werks, sondern auch der Biografie des Künstlers, konnte mich nichts daran hindern in die Vororte Basels zu reisen – um dort vollkommen unverwundert zur Kenntnis zu nehmen, dass Kurator Raphaël Bouvier nicht zuviel versprochen hatte. Um die Bilder in dieser Ausstellung sonst im Original zu sehen, wären mehrere Weltreisen notwendig, denn die Fondation Beyeler hat die bedeutensten Werke Gaugins aus aller Herren Länder beschafft und stellt sie nun in sehr gediegenem Rahmen vom  08.02.2015 bis 28.06.2015 aus.

Ein Wort vielleicht noch zum Ambiente in der Fondation zum Anfang, denn es trägt bei jedem Besuch nicht unerheblich zum Erlebnis bei. Der Museumsbau – für sich ist ein architektonische Bijoux – wurde in den Jahren 1991 bis 1997 vom genuesischen Stararchitekten Renzo Piano konzipiert und gebaut und ist von einer bezaubernden Parklandschaft umgeben, in der man nach einem Besuch einer Ausstellung wunderbar spazieren und reflektieren kann. Als Besucher vieler Kunstsammlungen und Museen in Europa, den USA und in Asien bin ich beim Besuch in Riehen immer wieder von einem Aspekt ganz besonders berührt. Das Licht in dem Gebäude sucht seinesgleichen, ich habe noch nirgends sonst so etwas gesehen. Gerade auch damit erfüllte Piano einen wichtigen Teil seines Ziels und Auftrags, den er mit »Ein Museumsbau sollte die Qualität der Sammlung zu deuten versuchen und ihre Beziehung zur Aussenwelt definieren. Dies entspricht einer aktiven, nicht aber aggressiven Rolle.« zusammenfasste. Ein Besuch in der Fondation lohnt sich auf jeden Fall, losgelöst von Gaugin oder anderen Sonderausstellungen. Die Sammlung Beyeler umfasst eine grosse Anzahl von Werken mit Weltruhm, wie mein Schnappschuss hier zeigt:

Beyeler

Eine Skulptur von Alberto Giacometti trifft in diesem Raum auf zwei Werke van Goghs. Die Fotografie ist ein schönes Beispiel für die räumliche Nutzung in der Fondation Beyeler – den Werken wird viel Platz gegeben, was bei der Sonderausstellung über Paul Gaugin übrigens ebenso zutrifft.

Auf dem Rundgang durch die Sonderausstellung kommt man zuerst an einem Bild vorbei, das nicht eigentlich eines ist. Eine Pallette des Künstlers, verkittet mit trockenen Farbresten hängt an der Wand und macht einen auf die Farben bereit, die man in den Werken des Franzosen erleben wird.

Da das Fotografieren einiger der Bilder in der Ausstellung erlaubt ist, kann ich hier einen ganz ganz kleinen Eindruck wiedergeben, von dem, was einen in Riehen erwartet.

Beyeler

La Perte du pucelage (1889)

Eines der Werke aus Gaugins Zeit in Pont-Aven, in der Bretagne, wo er sich immer wieder hingezogen sah. Ein rätselhaftes Bild, in dem er der liegenden Frau mit Lilie in Hand und dem Fuchs Symbole beifügte, die an das Pflücken einer Blume (Verlust der Unschuld), wie auch an Virilität (der Fuchs galt in Gaugins näherer Heimat als Symbol für Manneskraft) erinnern. Mit den übereinandergelegten Füssen der Frau erinnert Gaugin an Kreuzigungsbilder, meint vermutlich den Tod.

BeyelerTe Raau rahi – Le Grand Arbre (1891)

Kurz nach seiner ersten Ankunft auf Tahiti gemalt, gab Gaugin hier wohl die Südsee-Traumwelt wieder, die er auf Tahiti und später auf anderen Inseln in Polynesien suchte und nie fand. Deutlich zu erkennen, das der Maler hier idealisierte und vereinfachte. So hätte er Tahiti gerne erlebt, die schon damals fortgeschrittene Zivilisation auf den Inseln räumte aber seine Visionen und Träume aus. Diese Desillusionierung trieb den Künstler einige Jahre später an den Rand des Wahnsinns.

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Nafea faaipoipo – Quand te maries-tu? (1892)

Ebenfalls auf Tahiti entstanden, wohl eines der bekanntesten Bilder Gaugins. Was der Künstler hier ausdrücken wollte, kann nur erahnt werden. Die im Titel des Bildes gestellte Frage mag der Frau im Vordergrund gelten, die hinter dem linken Ohr getragene Blume signalisiert, dass sie noch ledig ist. Die Frau hinter ihr scheint ein missionarisches Schulkleid zu tragen, weit im Hintergrund zwei Gestalten, deren Bedeutung unklar ist. Wie verschiedentlich in der Presse herumgereicht wurde, dürfte es sich bei Nafea faaipoipo um das teuerste Gemälde der Welt handeln.

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D’où venons nous? Que sommes nous? Où allons nous? (1897-1898)

Das grösste Gemälde das Gaugin je gemalt hat. Er selber bezeichnete es als sein bestes Werk von allen. Der Maler plante eigentlich, dass dies sein letztes Gemälde werden sollte, er beging kurz nach der Vollendung des Werks einen Selbstmordversuch, der allerdings scheiterte. Auf dem riesigen Gemälde – es wurde auf mit Knoten und Rissen durchwirktem Sacktuch gemalt, da Gaugin komplett verarmt war – sind drei Phasen des menschlichen Lebens zu sehen. Von rechts nach links die Geburt, das erwachsene Leben und rechts das Alter. Der nach einem Apfel greifende junge Mann in der Mitte dürfte eine Anspielung auf den biblischen Sündenfall sein, den Gaugin offenbar als zentrales Thema betrachtete. Gaugin muss die westliche Zivilisation seiner Südseeparadiese als Sündenfall der Menschheit verstanden und hier wiedergegeben haben.

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Cavaliers sur la plage (1902)

Gegen Lebensende auf Hiva Oa in den Marquesas Inseln gemalt, ist in diesem Werk nicht zu übersehen, dass sich Gaugin hier etwas an Edgar Degas und seine Pferdebilder anlehnte. Auch hier hat der Künstler stark vereinfacht und idealisiert. Auffallend der rosa Sandstrand, die Einheimischen im Vordergrund, die sich in ihrer landesüblichen Kleidung von den beiden in Kapuzencapes gekleideten Reitern im Hintergrund absetzen. Die Kapuzengestalten dürften dämonische Wesen sein, die man in verschiedenen Bildern Gaugins immer wieder sieht. 

Einen Besuch der Ausstellung kann ich nur wärmstens empfehlen, sie vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck des Werks von Paul Gaugin und viele Aufschlüsse über sein aussergewöhnliches Leben und Sterben.

Wer sich näher über Gaugin informieren möchte, findet viele Bücher und Biografien über ihn und sein Werk. Eine Buch darunter, das mir besonders gefallen hat ist “The Moon and Sixpence”, ein Roman von Somerset Maugham, der Gaugins Leben in leicht abgeänderter, romantischer Form wiedergibt und dabei besonders auf den langsamen geistigen Zerfall des offenbar von Dämonen besessenen Künstlers eingeht.

FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen/Basel
www.fondationbeyeler.ch

Neues Soundkonzept im Hause haze.ch

Ohne Musik geht bei mir praktisch nichts im Alltag und guter, satter Sound ist mir dabei sehr wichtig. Seit ein paar Tagen habe ich mich diesbezüglich zuhause neu eingerichtet. Unkompliziert, gar nicht dramatisch teuer und – wie ich denke – saupraktisch. Während ich bisher auf konventionelle Stereoanlagen gesetzt habe, hat sich auch bei mir das Konsumverhalten bei Musik in Richtung reiner Daten und weg von Datenträgern bewegt. Im Keller lagern etwa 400 Vinyl-LPs und ich denke, all zu lange wird es nicht mehr dauern, bis auch meine CD-Sammlung, die doch auch ein paar hundert Scheiben umfasst, irgendwo in Kisten verpackt gelagert wird.

Eines der Probleme, das ich mit dem Sound in meiner 3-Zimmerwohnung immer hatte war, dass ich zwar im Wohnzimmer feinen und satten Sound geniessen konnte, dieses in Richtung Küche (einer meiner liebsten Aufenthaltsräume im trauten Heim, da Hobby-Koch) zu verlassen trübte das musikalische Erlebnis natürlich sofort. Der Klang war zwar noch aus dem Wohnzimmer herüberhörbar, aber natürlich nicht mehr das, was ich wirklich hören wollte. Laut aufdrehen war natürlich nie eine Antwort – man hat ja Nachbarn. Ähnliches, einfach aus Distanzgründen grösseres Problem natürlich auch mit Ess- und Schlafzimmer und im Bad. Spätestens unter der Dusche hätte auch ein Lösungsansatz mit Kopfhörern geendet. Gerade sozial wäre das dann auch nicht gewesen, man will den Sound ja nicht partout immer alleine geniessen.

Eine Lösung ist gefunden – und seit sie in Betrieb ist, bin ich etwas begeistert davon, was mich nun – wie man sieht – an die Tastatur getrieben hat.

Boom

Ausgangspunkt ist ein Smartphone Pad, oder Lap- oder Desktop mit zuverlässiger Bluetooth-Funktion. Die Geräte sind idealerweise im heimischen WLAN eingebunden, wenn man wie ich trotz vorhandener iTunes Mediathek mit 28’000 Titeln auch auf das grosse Angebot von gestreamtem Sound (typisch Spotify) oder der Internet-Radiostationen zurückgreifen will. Dazu gesellt man mindestens einen der Aktivlautsprecher von Ultimate Ears aus der Boom Serie (MegaBoom, Boom und MiniBoom), den man dann bequem je nach Aufenthaltsort in der Wohnung plazieren und umplazieren kann. Ich habe mich für mich für zwei der mittelgrossen Booms entschieden. Der eine macht meist im Wohnzimmer den Sound, der andere ist über Bluetooth mit seinem Wohnzimmergefährten gekoppelt und folgt mir ins Schlafzimmer, in die Küche oder ins Bad. Im Sommer dann auch gleich auf den Balkon oder wohin auch immer, denn die Booms sind nicht nur leicht herumzutragen, sie sind auch schmutzabweisend, stossfest und wasserdicht (können problemlos in einen Pool geworfen oder unter die Dusche mitgenommen werden). Die Funktionen Ein/Aus, Lautstärke, Paarung von Booms und Wecker werden mittels einer App vom Smartphone aus gesteuert. Mit dabei in der App ist auch ein Equalizer mit dem man sich seinen Sound nach Gusto austarieren kann. Witziges Detail: die Booms sind gleich auch noch Freisprecheinrichtungen fürs Smartphone.

Ich erspare mir eine Auflistung der technischen Spezifikationen, die kannn man direkt auf der Herstellersite begutachten. Was diese verhältnismässig kleinen Säulen an glasklarem, sattem Sound produzieren ist nicht nur meiner Meinung nach schlicht erstaunlich. Hersteller Ultimate Ears produziert auch professionelle In-Ear Stage Monitors (die Knöpfe in den Ohren von Bühnenstars) von höchster Qualität und dürfte einiges von gutem Sound verstehen. Ultimate Ears ist Marke und ein Teil des Schweizer Unternehmens Logitech, übrigens.

Tea by the Gallon

Wenn man wie ich ab und an ein Weekend am Bildschirm verbringt, wenn es draussen kalt und garstig ist, liegt der Griff zum Tee, zur Teekanne wirklich nahe. Bei mir, jedenfalls, geht an solchen Tagen der Teekonsum in die Liter. Da gehen schon ein paar Kannen drauf, vorallem, wenn es Samstagabend noch spät wird. Ich bin nicht speziell empfindlich, aber wenn ich da so am zweiten Liter Darjeeling bin, kommt langsam ein Kribbeln auf. Tee hat seine Wirkstoffe und in solchen Mengen konsumiert sind die wohl weder sehr gesund, noch einer ruhigen Nacht zuträglich.

Die Antwort auf das Problem sind natürlich Kräuter- und andere Tees, bei denen Teein und andered kaffeinartige, anregende Substanzen nur in geringem Mass oder gar nicht Bestandteil sind. Allerdings schmeckt das Zeug dann meist nicht speziell – von echtem Teegenuss ist da keine Spur – und es fängt einem relativ schnell mal mit langweiligem Geschmack zum Hals raus zu hängen. Ein glücklicher Zufall hat mich zu einer echten Alternative geführt, die ich nun schon seit einigen Wochen im Einsatz habe und bei der ich mich immer auf eine Tasse, ja eine Kanne voll freue, weil da ist echter Genuss dabei. Und süsser Schlummer danach auch.

Tea

Der amerikanische Hersteller “The Republic of Tea” aus Novato in California bietet eine Reihe von Tees an, die man sorglos in grossen Mengen konsumieren kann und die dabei einen Geschmack entwickeln, den man geniessen kann fast wie wie den vom allerfeinsten Special Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe. Nun ja, Letzteres mag etwas übertrieben sein, aber die Mischungen von The Republic of Tea sind wirklich raffiniert und treffen meinen Geschmack genau.

Im Bild meine liebsten Versionen, die Produktbezeichnungen sagen wohl alles. Gefunden habe ich diese (und andere Tees von The Republic of Tea) bei Jelmoli in Zürich. In so einer Büchse sind 36 Beutelpacks, für die man etwa CHF 22.00 hinblättern muss. Absolut lohnend!

The Republic of Tea
Novato, CA 94948
USA

www.republicoftea.com (liefert offenbar nur in die USA)

In eigener Sache: Byebye XING

Da es vielleicht die eine oder andere Bekannte, den einen oder anderen Bekannten auch mal hier her verschlägt, nütze ich die Gunst des eigenen Blogs um schnell darüber zu orientieren, dass ich seit gestern nicht mehr auf Xing zu finden bin. Nachdem ich jahrelang einen Gratisaccount dort hatte, der mir – betrachte ich das mal ganz nüchtern – rein überhaupt nichts gebracht hat, war es schlicht nicht sinnvoll, da weiter dabei zu bleiben. Da sich Xing über die letzte Zeit immer mehr zur Spam-Schleuder entwickelt hat, erhoffe ich mir nun auch etwas mehr Ruhe in der Mailbox.

Also, Ihr kennt ja die einschlägigen Orte, wo man mich erreichen kann, habt meine Mail-Adresse oder kontaktiert mich hier, bei Twitter oder Instagram. Ich danke für Kenntnisnahme.

Kiva – eine Zwischenbilanz

Es ist wieder einmal, hier zum dritten oder vierten Mal, Zeit zum Stand der Dinge bei swisstweets, unserer Twitter-Kiva-Gruppe zu schreiben. Seit meinem letzten Bericht vom 25.02.2011 hat sich viel, ja sehr viel getan.

Mit 10 Mitgliedern und etwa USD 1’000 an vergebenen Mikrokrediten machten wir uns vor etwa fünf Jahren auf den Weg. Inzwischen haben sich insgesamt 180 Investorinnen und Investoren – viele auch nicht aus der Schweiz – angeschlossen. Zusammen haben wir den nun doch schon beeindruckenden Betrag von USD 216’950 unter die Klein- und Kleinstunternehmer dieser Welt gebracht. Da kann man inzwischen schon viel mehr als eine ganze Kuh kaufen, damit. Der Beweis ist jedenfalls erbracht: Kleinvieh macht auch Mist!

Zusammengefasst sieht das so aus (anklicken für grösser):

Kiva

Als Investoren bei Kiva werden wir natürlich regelmässig darüber informiert, wie es unserem Geld geht. Wer was wann wieviel von unseren zinslosen Kleindarlehen zurückbezahlt hat. Ob die angestrebten Ziele erreicht, die Visionen der Kleinunternehmer in die Tat umgesetzt werden konnten. Nachstehend ein kleiner Ausschnitt eines Statusberichts von Kiva über Kredite, die ich in jüngerer Zeit vergeben habe, um einmal auch öffentlich aufzuzeigen, wie die Organisation die Investorinnen und Investoren auf dem Laufenden hält:

Kiva

Da inzwischen weit herum bekannt ist, dass ich mich seit Jahren mit Kiva beschäftige, dort auch schon allerhand Geld investiert habe und auch weiterhin investieren werde, noch ein paar Gedanken zu meinen Motiven.

Von Spenden für Entwicklungshilfe halte ich grundsätzlich gar nichts. Egal wer mich anbettelt, welche Organisation dahinter stehen mag, von mir kommt kein Geld, das dann über mir nicht bekannte Kanäle und intransparente Verteilschlüssel irgendwem in Form von Bargeld oder Sachgeschenken zu Gute kommt. Meine Einstellung dazu: Diese Methode entwickelt nichts, rein gar nichts, ausser der Abhängigkeit der Empfangenden von noch mehr finanzieller bzw. materieller Hilfe. Bei mir gibt es – über Kiva – aber Geld für Selbsthilfe. Selbsthilfe für die ein Plan da ist, Ziele gesteckt sind und für die der Wille, diese mit einem kleinen Startschubser in Form eines zinslosen Darlehens zu erreichen, in die Realität umzusetzen, da ist.

In niemandes Leben gehen alle Pläne auf. Investieren bei Kiva birgt Risiken. Zwar wissen wir Investoren immer, wofür die zusammengetragenen Gelder eingesetzt werden sollen, wir wissen, dass die Vertretungen der Organisation vor Ort Bonität und Businesspläne prüfen, bevor Geld fliessen kann. Häufig sind die Kreditsummen, an denen man sich via Kiva beteiligen kann auch bereits vergeben und geflossen. Kiva sorgt lediglich noch für eine Refinanzierung, da die Kredite als Ganzes (und nicht verstückelt auf Kleinsttranchen) und schnell fliessen müssen. Wenn eine Kuh her muss beim Bauern in Tadschikistan, oder Regale mit Waren aufgefüllt, in Nicaragua, dann ist Zeit ja auch ein Faktor. Wenn’s dann nicht klappt, mit dem Plan, den Visionen, dann kommen Rückzahlungen unter Umständen zu spät, in grösseren Intervallen oder halt gar nicht zurück. Es gibt Ausfälle, wie in jedem Kreditgeschäft, klar. Da ich seit 2009 insgesamt 243 Kleinstkredite vergeben habe wird meine Erfahrung bezüglich der Ausfälle ziemlich representativ sein: etwa 2% meines Einsatzes ist verloren gegangen. Sinvollerweise sind die Kredite ja auch nicht versichert, so schlagen halt nicht nur unternehmerische Risken, sondern die einfachen Unabsehbarkeiten wie Tod, Invalidität, Krankheit, Bürgerkrieg und Naturkatastrophe negativ zu Buche..

In Relation zu den Gesamtzahlen bei Kiva, hält sich diese Ausfallquote bei mir übrigens im zu erwartenden Rahmen. Da mein eigenes Portfolio inzwischen recht gross und sehr diversifiziert ist, kann da nicht mehr viel passieren. So sieht es im Moment aus:

 

Kiva

Die Aufstellung der Fotos meiner Gläubigerinnen und Gläubiger – aktiven und ehemaligen – ginge hier seitenweise weiter.

Letztlich noch ein Wort zu den Kosten. Das Modell ist sehr einfach: Bei Beteiligung an einem Kredit fallen 10% der investierten Summe für Verwaltungskosten an. Die können die Investoren entweder mit dem geliehenen Betrag verrechnen lassen, oder – wie es wohl die meisten Investoren (auch ich) handhaben – der Organisation geschenkt werden. Obwohl es sich um ein Geldleihgeschäft handelt, spenden die Investoren also trotzdem etwas. Etwas, dass sie sich – nicht wie die Gläubiger – leisten können:

– den Zins, auf den sie verzichten
– das Ausfallrisiko, das sie tragen
– die Verwaltungskosten, die sie (optional) tragen

Monetarisiert handelt es sich dabei um wirklich kleine Beträge, selbst wenn man viel Geld in Umlauf setzt. Diese kleinen Spendenbeträge haben aber eine Hebelwirkung, die weit über der liegt, die eine in eine Büchse geworfene Spende haben würde.

Das war wieder einmal ein kleines Zwischenfazit. Ich melde mich in ein paar Jahren wieder zum Thema. Wer vorher Fragen haben sollte, kann sich gerne direkt an mich wenden. Auf jeden Fall empfehle ich allen interessierten Leserinnen und Lesern mal auf der Website bei Kiva rumzustöbern. Wer sich dazu entschliesst, bei dieser sinnvollen Sache mitzutun (weltweit hat Kiva 1,25 Mio. Investoren, die über USD 660 Mio. verliehen haben) darf sich natürlich gerne auch bei uns als Mitglied in unserem Team eintragen.

Zuallerletzt noch ein Aufruf an die swisstweets-Mitglieder, die hier mitlesen mögen: Räumt doch mal bitte wieder alle Eure Konten leer und reinvestiert die Gelder. Danke!                                               

Mit dem Tod leben

Er hat wieder einmal zugeschlagen, der Tod. Ganz in der Nähe, aber nicht so nahe, dass ich leiden würde, unter dem Verlust eines bestimmten Menschen. Aber andere, ihm näher stehende Menschen leiden, weil G. (nennen wir ihn mal so) nach fürchterlichem, wochenlangem Todeskampf die Waffen gestreckt hat und in hoffentlich möglichst schmerzlosem Morphiumnebel die Welt verlassen hat. Ohne G. jemals gesehen oder gesprochen zu haben, leide ich mit und fühle mich sozusagen in zweiter Instanz machtlos gegenüber dem, was da passiert ist. Ich biete die Schulter, so wie mir die Schulter geboten wurde, als ich selber der ganz nah betroffene war, als vor vielen Jahren meine Schwester und vor noch nicht langer Zeit mein Vater gegangen sind. Schulter anbieten, zuhören, trösten, ermutigen, manchmal insgeheim etwas taktierend versuchen, der Betroffenen Gedanken anderswo hin zu lenken. Mehr kann ich nicht – und fühle mich ziemlich mies dabei, weil ich weiss, dass ich in gewissem Sinne nicht mehr sein kann, als der Tropfstein für Tränen und der Pausenkasper, der versucht, wieder ein Lächeln auf sonst, als G. noch lebte, lächelnde Gesichter zu zaubern.

Irgendwie bewundere ich G. aus weiter Ferne, die noch weiter ist, als sie schon war. Da gibt es Menschen, die sind am Boden zerstört, zermartert mit Schmerz über seinen Abgang, obwohl der – G. hatte Krebs – absehbar war. Muss ein ganz toller Mensch gewesen sein, der G. wenn er so viel Trauer hinterlässt. Das ehrt ihn, das ehrt aber auch die Trauernden. Da kommt man als in zweiter Linie Betroffener ins Grübeln, überlegt sich auf das eigene inzwischen auch schon über ein halbes Jahrhundert alte Leben zurückblickend, ob dann da auch Trauernde da sein werden, wenn man selber geht. Ob die Menschen, denen man im Leben nicht gerecht wurde, die Grösse haben werden, nicht zu lächeln, wenn sie die Nachricht erhalten. Eine Frage, die nie beantwortet werden wird, denn selbst zu Lebzeiten zugesicherte Vergebung, Zuneigung kann nicht nachkontrolliert und einkassiert werden, wenn man als Mensch den Aggregatszustand “Asche” angenommen hat.

Ohne Ziel geschrieben, zeigen meine bisherigen Zeilen auf, dass der verfluchte Tod nicht eine Angelegenheit der Toten ist, wirklich. Denn deren Beitrag in dem ganzen Übergang ist lediglich der Übergang.  Für die Lücke, das Loch, das zurückbleibt, kann und soll man sie nicht zur Verantwortung ziehen, die allermeisten der Dahingegangenen taten das ja nicht vollkommen freiwillig. Wir, die noch da sind, haben mit dem Verlust zu leben. Das können wir in aller Regel auch, wenn wir Realitäten akzeptieren, oder (gar nicht mein Ding) einfach höheren Mächten die Verantwortung übertragen und es dann gut sein lassen.

Eine Falle gibt es da noch, in die man als Hinterbliebener nicht fallen darf. Es ist diejenige, den Hinschied eines bewunderten, geliebten Mitmenschen als Anlass zur Selbstzermarterung zu nehmen. Ich habe mich selbst dabei ertappt das zu versuchen, als Menschen von dieser Welt gingen, die mir persönlich näher standen, als G. Man kommt da in diese gefährliche “er war so wundervoll, ich bin so ein Nix und er musste vor mir gehen “-Denkschleife, aus der man im schlimmsten Fall nicht mehr rauskommt. Da muss man sich selber zur Distanz zwingen, vor allem eben auch auf vertraute Menschen hören, die nicht ganz so nahe an allem dran sind, die in der zweiten Reihe stehen, die einem den Rücken stärken und einem vor einem Absturz in unendliche Trauer bewahren können. Ich hatte solche Menschen aus der zweiten Reihe um mich, als mich der schwerste Verlust meines Lebens traf, zum Glück.

Mit dem Tod kann man leben.

Kunst

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Schön, wenn man einen talentierten Grafiker als Sohn hat. Da kriegt der Paps ganz tolle Weihnachtsgeschenke – im Original.

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