Damit das von allem Anfang an klar ist und hier niemandem was krumm in die Gurgel kommt, gleich mal eine Liebeserklärung: Ich liebe Berndeutsch diesen sympatischen Dialekt, wer mich ein wenig kennt weiss, dass ich ein Bern-Fan (exklusive Fussball und Hockey) durch und durch bin. Auch bin ich mit dem ‘Bäärndüütsch’ nicht total auf Kriegsfuss. Immerhin habe ich schon ab und zu mit einer Solothurnerin mit relativ penetrantem Bäärndüütsch (wie sie zu dem kam, hat sie zumindest mir noch nie erklärt) telefoniert – wie damals, beispielsweise – und doch potztausend gegen 20% verstanden. Also nix gegen Bäärndüütsch, auch nicht die Solothurnische Variante davon und schon gar nichts gegen die Leute in diesen Regionen, ich würde es nie wagen, mich über die lästerlich zu machen.
Aber da war was heute, das mich aufwühlt: Nach den Nachrichten auf SF1 kam unsere nationale Wetterfee Sandra Boner mit dem Meteorologischen und da fiel mir auf (mitgezählt habe ich nicht), dass sie während der Wetteransage wohl gegen ein Dutzend Mal das schöne Berndeutsche Verlegenheitswort ‘gäng’ einsetzte. Viel zu oft, natürlich, Rethorikkurs wäre angesagt.
Dass sie das Wort verwendete, brachte mich dann ins Grübeln, denn als Erzzürcher stellte ich beim Hintersinnen doch recht hurti fest, dass ich gar nicht genau definieren, übersetzen kann, wofür ‘gäng’ überhaupt steht. Es entspricht nicht dem Zürichdeutschen ‘öbbe’ (weil ‘gängdie’ im Sinne von ‘öbbedie’ gibt es glaubs im Berndeutschen nicht), es ist auch kein ‘ebe’, weil für das haben die Berner ja das ‘äbe’, gäuit.
Also, was heisst ‘gäng’ denn?


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also ich würde sagen es kommt wohl dem “immer” am nächsten.
das ist doch ganz einfach, es kommt von gängig, was soviel heisst wie
gebräuchlich, üblich, gewohnt usw.
Also ich bin in Zürich geboren, in Bern aufgewachsen. Meine Mutter kommt aus der Romandie und mein Vater aus Bern. Meinen Heimatort hab ich im Aargau. Was ich damit eigentlich sagen will, ich bin der Letzte der über sauberen Dialekt was sagen kann. Aber ich weiss mit Garantie das Sandra Boner kein Berndeutsch spricht ;-)
@rouge: Bei ihr würde ich auf Oberaargau tippen, was ja dann auch Bern wäre. Oder?
@falki/taugenixe: Sicher nahe dran, aber so ganz ist es das eben nicht, wenn ich das Wort so im Gebrauch höre – auch bei den Nicht-Boners. Achtet Euch mal…
Oberaargau = Bärn?
Also so ne Vergliich geit ja überhoupt nid!!! *ganzfestkopfschüttel*
Bi mit Falki iverstande, dass de “gäng” (oder hie ds Bärn äbe “geng”) mit “immer” am beschte chasch gliiich setze.
Gruss us Züri West
ich hätt jetz au gseit es isch soledurner dialäkt
es het geng näbu…. es hat wie üblich nebel
hier was der PC her gibt
üblich
eingefahren, eingeführt, eingespielt, gebräuchlich, geläufig, gewohnt, landläufig, usuell, verbreitet, vertraut, erprobt, hergebracht, allgemein bekannt, alltäglich, herkömmlich
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allseitig [Adjektiv]
absolut, durchgehend, geltend, im Kreise, ausnahmslos, durchwegs, rings, im Kreis, allgemein gültig, durchgängig, gemein, in jeder Richtung, allgemein, bevorzugt, gebräuchlich, an allen Seiten, allumfassend, durchweg, gemeingültig, ringsum
@ClavaM: Wenn nicht im Kanton Bern, wo ist der Oberaargau sonst?
@taugenixe: ‘gewohnt’, ‘üblicherweise’ gefällt mir gut! Da geht’s lang, kein Zweifel. ‘Immer’ ist mir zu bestimmt, so wird das Wort nicht eingesetzt.
also ich bleibe dabei – “immer” kommt dem geng (gäng isch eher solothurnisch) am nächsten!
“geng söfu” heisst ja schliesslich nicht gewohnt soviel oder üblicherweise soviel, sondern ganz klar immer soviel.
aber sisch haut wi geng, weder d lüt nid wei gloube… ;-)
geng söfu heisst immerHIN soviel
@ Ray: Hm.. wie es im Oberaargau aussieht musst du mich nicht fragen. Das ist für mich “drive thru land”. Aber ihr “öuf” und “möud” assoziere ich eher mit Solothurn aber eben, da oben ist das eh ein Hickhack. Und die Obberaargauer sind keine Berner, nur Unterjochte. So sieht das aus, nämlich ;-)
@ ClavaM: Ich bin immer wieder erstaunt wo ich dich überall antreffe :-)
@taugenixe: äbe, da sieht mensch den wortstamm doch sehr schön, oder?
sich eifach geng z gliiche mit dene nid bärner, si gloubes geng ersch, wes dr kuno gsunge het… ;-))
übrigens kann ich im berndeutsch auf die frage “was, jetzt trinkst du noch einmal ein bier” auch antworten “i trinke geng söfu” – was dann heisst ich trinke immer soviel…
Das Frolein Boner ging ins gleiche Primarschulhaus wie das Frolein Chnübli, ist also genausowenig Bernerin und genausoviel Soledurnerli wie ich. Nur bin ich mit meinen Berner Schmusis und dem Berner Studium der sprachlichen Langsamkeit geradezu verpflichtet und benutze seither den “Bös” und nicht mehr den “Bus”.
@CTC: Heute hatte ich (zum ersten Mal) eine Mitarbeiterin am Telefon und ich habe meinen Ohren fast nicht getraut. Eine dialektische Kopie von Dir! Drum habe ich sie am Ende des Gesprächs drauf angesprochen, sagte, ich tippe drauf, sie sei aus Solodurn und möglicherweise mal etwas Bernisch angehaucht worden. Sie lachte und hat bestätigt. Solodurnerin an der Grenze zu Bern aufgewachsen, sagte sie.
@falki, das würde dann beim bier heissen, ” ich trinke für gewöhnlich” soviel denn würds immer heissen, wärs wirklich immer und “für gewöhnlich” heisst nicht immer. und für gewöhnlich heisst wiederum “üblicherweise”, aber nicht immer.
ich bin im fall en tüpflischisser
@all: also leute – ich seh schon ihr wollt es einfach nicht wahr haben, dass geng einfach immer heisst. ein krasser fall von nichtgläubigen… jetzt geht einfach mal auf die folgende webseite und sucht nach textstellen mit dem begriff geng.
es handelt sich um berndeutsche songtexte einer band und dort findet ihr dann ganz viele texte. – die übersetzung wird euch zeigen, dass das wort geng halt immer noch immer bedeutet… hier geht e zu den texten.
nüt für unguet u ä schöne tag!
und hier der gegenbeweis
du hesch immer gmeint du sigsch di beschti
u chönsch mit mer mache wies der gfaut
du hesch immer gmeint das ig i chnöi göi
u dä bi wo z‘letscht de d’rächnig zaut
du bisch immer die gsi wo gäng rächt het
oder hesch es mindistens geng gmeint
hesch immer gseit was guet oder was schlächt isch
u wos mit üs zwöi düregeit
i ha di scho mängisch bi däm typ gseh
so ne schlimsack ihre schale, u dr grips im portemonaie
derfür ha ni jetz meh platz i mir wohnig
emu meh aus du bi ihm, i sim cabriolet
miner schue si gmacht zum loufe u nid zum blibe stoh
du chasch se nümme brämse u ig bi plötzlech nüme do
viu z’lang hani gwartet vo üs hani gründlech gnue
u we d’mer wider z‘noch chunsch de tue n’ig d‘ ouge zue
du bisch nid die wo lang elei isch
wie ne vampir suechsch du dir dini opfer us
we du wider eine ume finger wicklisch
isch aues z‘spät u du sugsch ne langsam us
wi nes spiu mi marionette nimsch du aui fäde i d‘hand
i würdi hüt aus druf verwette du bisch e tüfu imne ängusgwand
ha ghört du sigsch wider eleini du sigisch ganz bös inegheit
jetz ligsch am bode wie ne boxer
dr sieger isch haut geng no dä wo z’letscht no steit
miner schue si gmacht zum………..
wenn es “immer” heissen würde, dann wäre es auch immer verwendet worden.
eh de haut – gloub doch was de wotscht :-)
das sind kleine finessen der sprache, die sich nicht einfach erklären lassen
hier noch ein anderer auszug aus deiner vorgeschlagenen seite
we mer einisch ehrlech si
de chunsch hüt nümme wit
wet immer ehrlech bisch
du chasch nid immer aues ha
wed immer nume dä bisch
wo de würklech bisch
wär aune geng aus gloubt
wird öppe einisch inegleit
u ou dä wo nie het gloge
isch irgendwenn uf d’schnorre gheit
es hübsches gsicht macht no nid rich
isch aber gwüss o nid im wäg
u mänge verfäut sis glück
Tatsächlich! Ich verdränge das immer.
Und gemäss http://www.oberaargau.ch/ sogar zum Berner Mittelland! Unglaublich und irgendwie nicht so logisch. Janu, nehmen wir es hin und leben damit :-))
bärner hei geng rächt!
100 punkt für ä falki! fasch wie geng! :-)
http://www.berndeutsch.ch/website/de_CH/lexikon.detail.db?id=551
Berner haben keinen Anstand. Das weiss ich nun. Zumindest die Berner Vermieter. Das dritte Mal diesen Monat, dass mir nach einer Wohnungsbewerbung nicht abgesagt wurde. Als ob man Luft wäre. Die können mich mal die Berner. So, und ab jetzt, versuche ich mich wieder mit reinstem Soledurner-Deutsch. Die Berner haben mich nicht (mehr) verdient. Phü.
@CTC: Aber Zürcher sind schon noch/wieder OK, gäu? :-)
Weiterhin viel Glück bei der Suche. Ist elend, Du hast das ja in meinem Fall zumindest ansatzweise hier auf dem Blog mitlesen können. Aber es wird gut kommen, da bin ich sicher.
sind jetzt alle solodurner unüberlegte verallgeminerer/innen weil eine solodurnerin so eine allgemeine aussage macht?
@all: Och, Kinners, nicht streiten hier. :-)
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie’s einem geht, wenn man an begehrtem Ort mit vorgegebenem Budget eine Wohnung sucht, heutzutage. Gar nicht lustig ist das. CTC hat’s sicher nicht so harsch gemeint, wie sie’ geschrieben hat – und wenn, dann hat sie’s so geschrieben und das war ihre Meinung in der Stimmung in der sie war.
Ich liebe die Berner. Ich liebe die Soledurner. Ich liebe – come to think of it – eigentlich so ziemlich alle Menschen. Tut’s mir gleich!
ich will auf keinen fall streiten! nur zum denken anregen…
schnuffe – dänke – schribe!
und wenn ich ein verwaltung wäre, würde ich sehr wahrscheinlich auch nicht allen 100 oder noch mehr bewerbern absagen….
“di si im momänt haut eifach am längere hebu!”