Kiva, Twitter und eine Kuh in Tajikistan

von Ray am 25/07/2009

in Gebloggt,Gefragt

In Zeiten, in denen unsere Banken und unsere Industrieunternehmen Milliardenkredite aufnehmen müssen um sich vor dem Untergang zu retten, gibt es da draussen immernoch Abertausende von Klein- und Kleinstunternehmerinnen und -unternehmern, denen man mit zinslosen, aber rückzahlbaren Darlehen von vielleicht USD 300 bis USD 500 die Zukunft sichern, sie und ihre Familien in eine bessere finanzielle Zukunft schubsen kann. Denn Eines gemeinsam haben alle diese Leute – sie wollen keine Almosen. Sie brauchen Anschubfinanzierung für ihre kleinen Unternehmen. Einen Kredit, um eine Kuh kaufen zu können. Kredit um die Revision der Nähmaschine zahlen zu können. Geld, um ein paar Tonnen Zucker zu kaufen, um damit die Lager aufzufüllen.

Die Organisation, die es braucht um diesen unternehmerischen Menschen das Geld, die Kredite (sogenannte Micro-Kredite) zuschanzen zu können, ist Kiva. Unter der Adresse kiva.org kann man alles über diese von weltweit Abertausenden von Menschen getragene Organisation erfahren.


Kiva - loans that change lives

Abgekürzt hier, wie das alles funktioniert:

Kiva hat auf der ganzen Welt verstreut Partner und Partnerorganisationen, die vor Ort Wirtschaftsförderung betreiben, Kleinstunternehmer beraten und unterstützen, sie und ihre Unternehmen auch als Kreditrisiken einschätzen.  Findet der Partner ein unterstützenswertes Projekt – eine Näherin braucht verschiedenfarbige Garne, eine neue Nähmaschine und Schnittmuster, z.B. – wir der Kredit bei Kiva beantragt. Verbunden damit, hat die Unternehmerin einen rudimentären Businessplan zu unterbreiten, aus dem ersichtlich ist, wofür und wieviel Geld eingesetzt werden und wann und wie es wieder zurückkommen soll.

Hält auch Kiva das Unterfangen für unterstützungswürdig, wird der Kreditantrag auf den entsprechenden Seiten ausgeschrieben, in kleine Tranchen zerhackt (‘Default’ ist in der Regel USD 25) und das Geld für den Kredit zusammengesammelt. Jeder Investor, jede Investorin trägt alle Entscheide selber. Wieviel investiert wird, wo investiert wird usw. Kiva organisiert alles, macht es transparent.  Es macht einfach Spass, dabei zu sein, wenn ein Bauer in Kirgistan eine Kuh kaufen, eine kleine Gemeinde in El Salvador einen Brunnen bauen, eine Wirtin in Cambodia eine neue Bartheke anschaffen kann. Wirtschaft, ganz unten, ganz im Kleinen. Kiva und die vielen Investoren dort unterstützen Menschen dabei, sich selber zu helfen. Da wird nicht einfach Geld verteilt.  Denn das Geld muss zurückkommen und das tut es auch! Kaum jemals kommt ein Kredit nicht vollständig zurück. Wenn er zurückkommt, kann der Investor sein Geld wieder haben, oder er verleiht es gleich wieder weiter. Genial.

Was hat das alles mit Twitter zu tun?

Ein paar Schweizer Twitterer unter der Führung von @chm haben sich zusammengetan. Kiva erlaubt Gruppierungen, um den  motivierenden “wer leiht am meisten Geld aus?” – Spass etwas zu fördern. Daher der Zusammenschluss, der im Moment 11 Mitglieder erfasst. Alle von uns treffen alle unsere Entscheide bezüglich Kiva individuell. Als Team ‘Swisstweets‘ zeigt uns Kiva lediglich auf, wer dabei ist, was wir addiert schon alles unternommen haben. Eine unterhaltsame Sache und sinnvoller als jede andere Form von Entwicklungshilfe, die ich kenne. Denn Geld für einen Brunnen in Afrika spenden würde ich niemals. Geld zinslos ausleihen, damit sich in Afrika jemand den notwendigen Bagger für den Brunnenbau leisten kann, würde ich.

Also, tretet doch – ob Twitterer oder nicht – unserer Gruppe bei. Ich bin auch schon daran, ein grafisches Genie dazu zu bewegen, ein schönes Logo für unser Team zu kreieren, damit wir auf den Statistiken neben all den anderen Gruppen auch gut aussehen.

Im Moment haben wir etwa USD 1’000 verliehen. Bis Ende August wollen wir, dass wir auf USD 2’000 kommen. Wer macht mit?

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1 @dworni 25/07/2009 um 21:44

Danke für den ausführlichen Artikel und das Genie. Was Kiva ist und wies funktioniert wusste ich zwar, das mit den Gruppen… naja ich steh nicht auf Wettbewerbe. Zudem bin ich halt immer sehr vorsichtig mit solchen Sachen. Hm, schaue mal. Ein Logo für diese Aktion zu machen traue ich euch auch zu… ;-)

2 Marcel Widmer 26/07/2009 um 9:56

“Wer leiht am meisten Geld aus?” ist für mich überhaupt keine Motivation (und m.E. irgendwie ein Widerspruch zum kiva-Gedanken). Aber ich leibe es, mich für eine Idee begeistern zu lassen. Ich bin dabei!

3 Ray 26/07/2009 um 15:06

@marcelwidmer: Toll, dass Du dabei ist. Klar, es ist kein Wettbewerb im herkömmlichen Sinn, soll auch keiner sein. Aber mit der Identifikation mit einem Team stachelt man sich gegenseitig an. Man sieht, X hat wieder, Y hat wieder und trinkt mal zwei, drei Biere weniger und macht auch wieder $25 locker. Das Wirgefühl zeigt “oh, es fehlen nur noch X bis Y” usw. Ein Team bringt viel einfacher neue Leute zum mitmachen (wie figura zeigt), als eine Einzelmaske. Momentum, sagt man dem wohl. Wie auch immer. Ich jedenfalls – wie Du auch – freue mich darauf zu sehen, dass die Unternehmen da florieren. Mir hat’s vorallem ‘mein’ Stanley Obasi in Togo angetan. Tolle Geschäftsidee – er verkauft Haarteile und ich habe sein Lager mitfinanziert.

Kluges Geschenk für Lieblingstochter übrigens: Ein Gutschein bei Kiva, den sie nach eigenem Gutdünken in ein Projekt investieren darf, das sie interessiert. Mit dem Englisch hilft Papi oder Mami sicher. Denk mal, was für eine tolle Gelegenheit das ist, einem Kind wirtschaftliche Zusamenhänge nahe zu bringen. Und dabei noch jemandem zu helfen! Win-Win in Reinkultur sag’ ich dem.

4 animaxima 27/07/2009 um 13:08

finde ich eine tolle sache, schau es mir gerne mal genauer an. reden tun ja genug leute oder haben ausreden warum man eh nichts tun könne.

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