Bärbeissiges zum Tage

Also ehrlich. Da haben wir bösen Schweizer den Roman Polanski an der Grenze geschnappt – und der Französische Kulturminister Frédéric Mitterand (der Name hallt nach – das ist der Neffe vom Ollen) meint einerseits, die Französische Bevölkerung müsse nun diesen Verlust, diese Tragödie, gemeinsam durchstehen (womit er die Französische Einwohnerschaft faktisch mit einem Kinderschänder solidarisiert – dabei sind die ja keine Belgier) und andererseits – und hier stockt mir das Blut kalt vor Angst in den Adern, Schweissperlen bilden sich auf meiner vorallem nach oben weitläufigen Stirn – wedelt er zaunpfählig mit dem Umstand, dass er so quasi keine Verantwortung mehr für das zu übernehmen gewillt sei, zu was sein Chef Nicolas Sarkozy in wiederum seiner erlauchten Irritation nun fähig sein könnte. Ganz schön dämlich der Mann, der Mitterand. So einen würde ich nicht einstellen, als Kulturminister, oder um mir an der Ecke Zigaretten zu holen, die ich nicht brauche. Auch das könnte der nicht, nach meiner Einschätzung. Und sowieso, die Bruni spritzt Botox.

Roman Polanski, so sehr ich sein Werk schätze, befindet sich momentan genau da, wo er hingehört (wie meine kluge Muse innerhalb Sekunden nach Ausbruch der Nachricht von der Verhaftung festgestellt hat), nämlich hinter Gittern. Kinderschändung ist ein sehr gravierendes Verbrechen. Weder Tat noch Abgeltung einer verhängten Strafe sind nach Amerikanischem Recht verjährbar. Nach Schweizerischem Recht übrigens auch nicht, seit jüngerer Zeit und das ist gut so. Internationale Haftbefehle gelten für denjenigen, auf den sie ausgestellt sind – ob er nun Polanski oder Meier heisst, ob er Amerikaner, Franzose oder Schweizer ist. Der Tatbestand im konkreten Fall ist selbst seitens Polanski ja nicht einmal bestritten.

Genau deshalb gebührt des Französischen Kulturschwätzers Argumenten genau das was sie verdienen. Nichtbeachtung. Beachten sollten wir die bedachten Worte unserer Justizministerin.

Themawechsel: Warum zum Deibel dürfen Leute, die eh nicht autofahren können, am Sonntag bei ‘Mobility’ ein Fahrzeug buchen und die Strassen damit verunsichern, den Verkehr behindern? Auf die Frage werde ich nie eine Antwort kriegen, ich weiss.

Nochmal Themawechsel: Warum hat man in Zürich beschlossen, heute Sonntag, neben verschiedener baulich bedingter Strassensperrungen auch noch die ganze Innenstadt lahmzulegen, damit ein paar Orientierungsläufer in der Stadt rumirren können, statt draussen in der Natur, wo sie hingehören? Wer Orientierungsläufer oder Orientierungläuferin ist, soll sich gefälligst an Zeckenbisse gewöhnen oder den Sport aufgeben. Orientierungslauf mitten in der Stadt! Wer vom St. Peter zur Bahnhofstrasse einen Kompass braucht, hat eine Meise. Bei Mitteilung des Standortes kann ich den Azimut zum Burghölzli schicken, liebe Verirrte – behaltet den Kompass mal auf Mann.

Nochwas: Wenigstens sind die eidgenössischen Abstimmungen gut gelaufen. Wenn auch – wie zu erwarten war – die temporäre Mehrwertsteuererhöhung zugunsten IV um ein Haar an dem verfluchten Ständemehr gescheitert wäre. Höchste Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, den alten Zopf abzuschneiden. Via Ständerat sind die nur zweifelhaft meinungsberechtigten Kantone (sieht man das mal nach dem Majorzgedanken) schon bestens parlamentarisch bedient und für ihr Bergbauernleid  und die ganze Schneeschauflerei im Winter abgegolten. Selbst als überzeugter Föderalist – der ich wirklich bin – habe ich immer mehr und mehr Mühe, dem Ständemehr noch Positives abzugewinnen. Also weg mit dem – kann nicht sein, dass Hintwerwäldlerkantone wie AR, AI, GL usw. politisches Gewicht ausüben, das lediglich einer grösseren Zürcher Gemeinde entspricht.  Mein Geburtsstädtchen Uster beispielsweise, hat eine Einwohnerzahl, die ziemlich genau der des ganzen Kantons Uri entspricht. Hallo?

Weg mit dem Heimatschutz auf dem Gebiet, sage ich. Modernisieren wir unsere Demokratie!

Nix mehr, ich habe fertig.

8 comments on “Bärbeissiges zum Tage

  1. theswiss 27/09/2009 22:52

    Anmerkng: Der Fall ist noch hängig und es wurde kein Urteil ausgesprochen. Es gibt also auch keine verhängte Strafe. Solange Polanski nicht vor einem Gericht in LA erscheint, wird das auch so bleiben. Ausserdem hat die Betroffene einen Antrag eingereicht, die Anklage gegen Polanski fallen zu lassen.

  2. Ray 27/09/2009 23:05

    @theswiss: Für einen Haftbefehl braucht es kein Urteil – wäre ja noch schöner. Die betroffene Samantha Geimer kann Anträge einreichen, was sie will – sexueller Missbrauch von Kindern ist in den USA wie hier auch, ein nicht verjährbares Offizialdelikt und muss vom Staatsanwalt sowieso verfolgt werden. Ein Akt der genau dazu gehört ist, Polanski vor ein Gericht in den USA zu bringen. Genau dazu dient der Haftbefehl. Alles wunderbar sauber, würde ich mal sagen.

  3. animaxima 28/09/2009 0:28

    mein gott dir hätte ich heute aber auch nicht über den weg laufen wollen… ;.) aber wo du recht hast, hast du recht.

  4. chm 28/09/2009 8:24

    danke ray. wenigstens bin ich nicht alleine.

  5. Niela 28/09/2009 11:06

    Solche Sonntage sollte es öfters geben, wenn sie dich derart zum Schreiben inspirieren! :-)

    Ansonsten: Meine Unterschrift unter alle Punkte hast du!

  6. JoyRider 28/09/2009 18:31

    Liebe Schweizer,

    seid doch froh das ein Kinder-Schänder aus dem Verkehr gezogen wurde. Immerhin hat er ja gestanden, eine 13-Jährige mit Alkohol und Betäubungsmitteln zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.
    Ich wäre froh, wenn deutsche Behörden Straftäter so konsequent verfolgen und kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum die Verhaftung bei Euch so eine Welle ausgelöst hat.

    Grüsse aus Deutschland

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>