Hier noch der abschliessende Brief aus der Korrespondenzreihe (A, B) mit der Stadtpolizei meiner Lieblingsstadt. Ehrensache, dass auch der auf die Post geht, so wie er da unten steht (allerdings ohne die Balken). Ebenso ist Ehrensache, dass – falls es tatsächlich zu einer Reaktion der Beamtin käme – nichts darüber publiziert würde.
Stadt Zürich
Stadtpolizei
Abteilung Sonderleistungen
Kommissariat Zentralstelle für Verkehrs- und Ordnungsbussen
zHd Frau ▓▓▓▓▓▓▓▓▓
Bahnhofquai 5
Postfach 1067
8021 Zürich
Zürich, 14.1.2010
Verzeigungs-Nr.: 9624407 051 5 – Ihr Schreiben vom 12. Januar 2010
Sehr geehrte Frau ▓▓▓▓▓▓▓▓▓
Der Hammer, echt. Nicht etwa, weil ich mich von Ihnen schlecht oder beiliebe! ungerecht behandelt fühle. Ich habe Ihren freundlichen Brief, der ja eine Replik auf meine kritischen Bemerkungen, ja auch meinen Hilferuf vom 28.12.2009 darstellt (es war Weihnachtszeit, wir erinnern uns) einmal ganz genau durchgelesen und habe dann sofort dieses Online-Banking auf einem meiner Computer laufen lassen und die mir aufgebrummte Busse unverzüglich zur Zahlung frei gegeben. Das Geld müsste schon bei Ihnen eingetroffen sein, vielleicht wollen Sie nachschauen. Ich habe meine Lehren gezogen und werde wieder artig autofahren. Der Versuchung, den nächsten Sanggaller, den ich bei einer Rotlichtübertretung sehe, absichtlich abzuschiessen (ich habe vorne eine Beule, die ginge dann auf seine Versicherung) werde ich standhaft widerstehen. So standhaft, wie ich seit nunmehr doch schon bald 6 Jahren (oder waren’s 5?) den Zigarretten entsage und gut dabei lebe. Rauchen Sie? Ich finde, rauchen ist schon eine blöde Angewohntheit, die gewisse Leute haben. Aber ich schweife wieder ab, entschuldigen Sie bitte.
Also, das Geschäftliche zwischen uns, werte Frau ▓▓▓▓▓▓▓▓▓ ist hiermit sauber über die Bühne. Sie haben gewonnen, das gebe ich in diesem Fall gerne zu, auch wenn man mir manchmal ungerechtfertigter Weise nachsagt, dass ich bei Niederlagen (insbesondere solchen, die ich mir beim anderen Geschlecht einhandle) kaum zur Kapitulation zu bringen sei. Ich lege mich (um mal die Tierwelt zu bemühen) einfach nicht so gerne auf den Rücken. Ein unedler Zug an meiner Person, das sehe ich sogar selber ein. Aber hier, bei uns liebe Frau ▓▓▓▓▓▓▓▓▓ (bitte verzeihen Sie die vertraute Anrede, aber wir beide haben ja inzwischen doch ein gemeinsames Interesse für Geschwindigkeitsberechungen, Rotlichtmissachtung, Gelbphasenzeiten und juristische Leckerbissen entdeckt) liegt das einfach ganz anders. Sie haben mich restlos überzeugt!
Überzeugt mit Ihrer beeindruckenden Fachkompetenz einerseits, vorallem aber andererseits mit Ihrer Macht über die deutsche Sprache, die Sie ganz offenbar in weit grösserem Mass als nur der Durchschnittsbürger in sich tragen. Es ist einfach eine Freude zu erfahren, dass jemand nicht nur etwas von seiner Materie versteht, sondern auch die aus diesem Gebiet stammenden – oftmals komplexen – Konstellationen selbst einem blutigen Laien durch das geschriebene Wort verständlich zu machen in der Lage ist.
Chapeau! kann und will ich da nur sagen. Ihr Brief liest sich wie der Blick auf ein fein geführtes Florett, das mittels Parade und Riposte einen argumentarischen Todesstoss versetzt und dabei eine Eleganz in der Bewegung offenbart, die nicht feiner geschliffen sein könnte, als ein diamantenes Kunstwerk aus Antwerpen.
Apropos Diamanten: Sind Sie Single?
Ach nein, vergessen Sie die Frage mal noch für den Moment liebe Frau ▓▓▓▓▓▓▓▓▓. Ich bin ja jetzt ziemlich pleite. Aber wer weiss, was die Zukunft bringen wird, Zeiten können sich ändern, man geht ins Niederdorf und verkauft ein Kalb oder was immer. Es ist mir natürlich sonnenklar, dass Sie nicht in der Lage sein werden, auf diesen meinen Brief auch nochmal zu antworten. Schon gar nicht auf dem Briefpapier von der Stadtpolizei (wobei ich eben gerade das irgendwie sexy fände!). Drum gefährden Sie bitte wegen uns Ihren Job nicht, treten Sie einfach privat mit mir in Verbindung. Vielleicht könnten wir bei einer Tasse Kaffee mal ein paar Notizen zur Verkehrsführung im Bereich der Kreuzung am Hottingerplatz vergleichen, denn da habe ich schon meine Bedenken – auch weil man den Kasten für die ’20minuten’ auf der westlichen Seite aufstellen sollte, da mir das doch täglich einiges an Weg ersparen würde. Oder wir gehen ins Bowling Center, falls Sie so sportlich sind, wie ich mir eine Polizistin vorstelle. Ich hab glaub’s Handicap 24 beim Bowling. Oder war das beim Golf? Hach!
Wie auch immer, es hat mich gefreut, den Anfang unserer Bekanntschaft zu erleben. Es wäre schade, wenn das nicht weiterginge. Sie erreichen mich jederzeit bei Twitter (@rayhaze) oder wären natürlich auch auf meinem Blog (http://haze.ch) ein gerne gesehener Gast.
Mit freundlichen Grüssen
Ray Kroebl
PS: Gälletsi, das mit der wohltätigen Organisation war gar keine schlechte Idee!? Dass Ihnen da bei der Polizei die Hände gebunden sind (Klick!) ist mir klar und verständlich. Könnte ja jeder kommen.


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ich bin beruhigt, der rechtsstaat scheint noch zu funktionieren. ;-)
Damit du der Dame noch ein wenig mehr Eindruck machen könntest empfehle ich dir eine Verdoppelung des Einsatzes und eine entsprechende Investition bei Kiva.org! Bravo!
Uiuiuiii, da bin ich ja mal gespannt ob und was da für eine Antwort kommt …
:-D Sehr schöne Reaktion
cool geschrieben! Kompliment :-)
Unglaublich, jetzt gibst du aber Gas. :-) War denn da eine Foto mit dabei beim Antwortschreiben der Stapo? :-)
Was, wird nicht mehr publiziert, hallo? Jetzt, wo’s möglicherweise erst richtig spannend wird? Tz.
Dieser Brief hier, lieber Ray, ist wahre Poesie. Ja, das war’s, offenes Ende. Wie es weiter gehen könnte bleibt unserer Fantasie überlassen.
Sauber! So ärgerlich die ganze Situation ist, so großartig ist Deine Schreibe. Hab’ gerade erst die komplette Korrespondenz gesehen und bin schwer begeistert.
Ach überigens, geh doch da mal direkt vorbei. Bin zwar vom anderen Geschlecht, aber die Polizisten da sehen gar nicht so schlecht aus. (Mein Velo darf also ruhig öfters geklaut werden) Vielleicht trifft das auch auf die Frau Polizistinnen zu? :)
Lustig, ich hätte garnicht gedacht das das *wirklich* so funktioniert. Komische Welt.