Das hier ist alles andere als ein News-Blog. Zeitungen und die sonstigen Medien werden darüber berichten. Trotzdem ein paar Zeilen:
Er ist gestorben, der Schriftsteller, der eine ganze Generation geprägt hat, der in gewissem Sinn Vater des Rock’n Roll ist, dem man problemlos Rassen- und Studentenunruhen, ja irgendwann gleich noch die 68er Generation, Jack Kerouac und von mir aus gleich auch noch den ‘Baader Meinhof Komplex’ in die Schuhe schieben könnte. J.D. Salinger ist tot.
Mit ihm haben wir in diesen Tagen einen der grössten Literaten der Weltgeschichte verloren, einen Zeitkritiker dessen Authenzität aus meiner Sicht weder vor noch nach seinem 1951 erschienenen ‘Catcher in the Rye’ (‘Der Fänger im Roggen’) übertroffen worden ist, wenn man in diesem Zusammenhang von Massstäben reden dürfte. In seinem Meisterwerk hat er drei Tage im Leben des fiktiven Holden Caulfield, eben vom ebenso fiktiven Internat ‘Pencey Prep’ geschmissen, beschrieben und mit eben diesem, in der Ich-Form verfassten Beschrieb dermassen viele Menschen – erst die jungen, dann sogar die älteren bewegt, dass es von Tokyo bis Sao Paulo, von Sydney bis San Francisco überall nur noch so von Holden Caulfields zu wimmeln begann. Das ist über 50 Jahre her. Ich habe den ‘Catcher’ vielleicht vor 40 Jahren zum ersten Mal gelesen. Später vielleicht vor 25 Jahren nochmal. Beide Male hat mich die Lektüre – das Buch liest man in einem Zug durch – in eine Depression verfrachtet, aus der ich nicht so einfach wieder heraus kam. Das hatte in meinem persönlichen Fall die Konsequenz, dass das Büchlein (neben ein paar von Salinger’s weniger bekannten und kurzen Werken, wie ‘Franny and Zooey’) hier zuoberst links im Regal steht und nicht wieder gelesen wird. Ich lese das nicht mehr. Nie mehr.
Ist mir zu gefährlich. Wenn ich mir das nochmal antue, werde ich drogensüchtig oder fange an, statt Modellhelikopter irgendwelche Bomben zu bauen und Banken in die Luft zu sprengen. Oder beides.
‘The Catcher in the Rye’, ist genau wie das Leben: Auf eigene Gefahr.


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Gefahrlos wäre noch einmal “Moby Dick” – Call me Ishmael! Pardon, call me Ernesto;-)
@Annette: Ich liebe gute erste Sätze. Klar, Mellville hat da einen wunderbaren Klassiker geschaffen – und der Rest vom Buch ist genial! Mein absoluter Liebling bei den guten Buchbeginnen ist aber von einem von mir sehr verehrten Cleversack: ‘Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Birnen und Bohnen, weil Anfang Oktober.’ Ein anderer Favorit: ‘It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife.’ Letzteres natürlich ein Fehldenk, der nur von einer Frau stammen kann.
Grass hin, Austen her, ich finde gut belesene Frauen sexy! :-)
Natürlich hat jeder mit Mittelschulbildung Catcher in the Ray ähm Rye gelesen. Auch das Chnübli. Nur sitzt das Chnübli grad am Schreibtisch und überlegt über den Inhalt dieses Buches nach. Leere. Vergessen. Kurt Vonnegut kommt meinen Gedanken immer in die Quere. Das haben wir gleich danach gelesen. Das ist alles, was ich noch weiss. Prüfungslektüre war dann was anderes, weil der Englischlehrer wechselte…
@all: Ich empfehle MonsieurCroche’s Nachruf auf J.D.S. wärmstens! (Link oben als Trackback #1).
@CTC: Dann halt nochmal lesen. Was war denn von Vonnegut? ‘Breakfast of Champions’, das ich urkomisch in Erinnerung habe. Oder war’s ‘Slaughterhouse 5′ – an das ich mich kaum mehr erinnern kann? Egal, Du bist sowieso ausser Konkurrenz, wenn’s um’s Thema belesene Frauen geht. Wenn ich zurückdenke, wie Du aus der Kanone geschossen Turgenev’s (ohne ‘j’:-)) ‘Spring Torrents’ erkanntest, damals, dann komme ich ins glückliche schnurren…
Offensichtlich gab’ auch schon zu Jane’s Zeiten stolze Männer ohne Vorurteil dem eigenen Geschlecht oder Vermögen gegenüber. Egal, Hauptsache die Glückshormone strömen, Ray.