Auslegeordnung

von Ray am 11/07/2012

in Gebloggt,Gezwinkert

Also, soll mal den ersten Stein werfen, wer nicht selber in der Küche oder in der Diele so eine Schublade hat, in der alles, das man in flüchtigen Momenten des Lebens dringend braucht seinen Platz findet. Und behält. Denn die Paraphenalien die ich anspreche, braucht man eher selten. Meist so selten, dass man sich nicht mehr erinnern kann, wo sie wohl hin gelegt worden sind. Genau dieser Umstand ist ja der Grund dafür, dass sich in jedem Haushalt über kurz oder lang eine Krimskrams-Schublade definiert, die sich im Lauf der Zeit zum bersten füllt oder so lange Dinge aufnimmt, bis sich der Inhalt irgendwie mit dem umgebenden Schrank oder Kästchen verkeilt und die Schublade verklemmt. Letzteres passiert übrigens immer nur dann, wenn man dringend etwas aus der Schublade bräuchte und man ganz sicher ist, dass sich der gesuchte Gegenstand auch da drin befinden tut. Aber ich weiche ab.

Meine dem Modell entsprechende Schublade befindet sich in der Küche, ist proppenvoll und sieht wie folgt aus:

Dieses Schubfach klemmt häufig. Ich bringe es jeweils nur mit geballter physischer Kraft und lautstarkem Blasphemieren (wie fickt man eine Schublade?) soweit auf, dass ich mit Sicherheit feststellen kann, dass sich der im jeweiligen Moment dringend gebrauchte, fieberhaft gesuchte Gegenstand nicht darin befindet.

Heute hat’s mich gepackt, jetzt wird meine Krimskrams-Schublade entschlackt, aufgeräumt, geputzt und inhaltlich auf einen vernünftigen Stand gebracht. Dazu ist allerdings zuerst ein Inventar notwendig, denn nur wenn das bewusste Sammelsurium irgendwie in geordneter Weise daher kommt, kann festgelegt werden, was denn überhaupt Grund für Existenz und allenfalls Anrecht auf einen der limitierten Plätze in meiner Küchenschublade hat. Das sieht dann so aus – wenn man aufs Bild klickt wird es riesig, damit man alles auch gut erkennen kann.

 

Nun gilt es auch, das Inventar mal in Worten greifbar zu machen, denn so eine Schublade fördert ja schon Erstaunliches zu Tage. Bei meinen Bemerkungen zur Auslegeordnung gehe ich grob von oben links im Bild nach unten rechts vor:

Anfangen tut’s gleich mit einem Wertgegenstand. Ein kleiner, echter Silberbarren im Geschenktruckli. Niemand darf mich fragen, wo der her kommt und wie er hier gelandet ist. Ich weiss es schlicht nicht. Da ist schon klarer, was das “Willkommen in Hottingen” Heft da macht. Schliesslich wohne ich erst seit knapp 10 Jahren in der Gegend. Das Heft ist 6 Jahre alt. Als alter Macianer habe ich natürlich Hüllen für iPhones. Natürlich auch solche für ältere Typen, die ich gar nicht mehr im Besitz habe. Dafür komme ich bei den leeren Brillenetuis toll ausgestattet daher. Jedenfalls sind mehr Etuis als Brillen vorhanden. Auf die Unmengen von Streichhölzern in zwei Dutzend Schachteln und Briefchen gehe ich nicht näher ein – ich habe einen Elektrogrill, bin Nichtraucher und habe ein Feuerzeug im Wohnzimmer, für die Kerzen. Dann sind da noch Papiertaschentücher (harmlos), assortiertes Velowerkzeug und genügend Schnupftabak um eine komplette Eishockeymannschaft inklusive Materialwart ein halbes Leben lang zu versorgen. Die Brillen habe ich ja erwähnt.

Wieder links sind dann da zwei so Halogenlämpchen von Tchibo. Die später auftauchenden Batterien passen nicht dazu. Oh, eine kleine Schachtel mit zwei kleinen Vorhängeschlösschen. Dabei sind auch 5 Schlüsselchen. Keines passt irgendwo. Mottenpapier. Braucht Mann. In der Küche. Toxisch einwandfrei das. Der Schnurknäuel und die assortierten Zahnstocher sind noch verpackt und ungebraucht. In der Ecke finden sich auch noch ein Knäuel mit Lanyards und acht (8) Taschenmesser. Bei zweien davon handelt es sich um Klappmesser mit Springfunktion, die sind glaubs verboten. Daneben übrigens zwei Plasticteilchen, von denen ich nicht weiss wozu sie gut sein sollen (drum waren sie in der Schublade, klar). Muss irgend ein Zubehör zu irgendwas sein. Keine Ahnung!  Als häufiger Konzertgeher und bekennender Schnarcher habe ich auch immer eine Handvoll Ohrstöpsel greifbar. Für die anderen. Mein Gehör ist ja schon hinüber und beim schlafen höre ich eh nix. Dann sind da noch ein funktionstüchtiger iPod und die Hülle von dem iPod Nano, den mir Apple vor einiger Zeit mit einem anderen Modell ersetzt hat. Die Migros-Dinger kennen wir ja noch alle. Ich hab bloss vergessen, wie sie hiessen. Kleingeld aus Europa und den USA war auch da. Wenig.

Nächste Zeile: Blumendünger flüssig und als Granulat, portioniert. Als Schnittblumenfreak sammle ich die natürlich. Wie die Erfrischungstüchlein vom Güggeligrill – Letztere allerdings aus mir nicht transparenten Gründen. Dann kommen Batterien. Lose und verpackt. In jedem Fall von der Grösse, die ich praktisch nie brauche.  Dann kommen ein Kompass, klar, und zwei Sätze In-Ear-Phones. Das Schächtelchen mit der Aufschrift ‘manufaktor’ ist übrigens kein Schächtelchen, sondern ein zusammenfaltbarer Nassrasierapparat. Echt! Daneben ein Sortiment von Lippenpomaden und Sonnencréme, assortiert mit diesen Menthol-Riechstiften, die mir meine Assistentin jeweils aus den Ferien in Thailand mitbrachte. Das Sammelsurium an Schreibutensilien braucht keine Erklärung. Dass es da eine Überzahl an IKEA-Bleistiften dabei hat, auch nicht. Dann liegt da noch ein kleines Sortiment an Stickern auf.

Zeilenschaltung: Mundsprays (beide leer) und nochmals Zahnstocher, die eigentlich in die zweite Zeile gehört hätten, wie ich beim schreiben feststelle. Dann eine Schachtel mit obsoleten Visitenkarten von der Firma, die mich nicht mehr wollte und das passende Lederetui dazu. Die habe ich wohl am Tag meiner Freistellung (dem 31.10.2011) mangels gescheiter Alternative in der Küchenschublade versenkt. Schuhbändel, die sich irgendwie vom Schuhputzkästchen kommend hier her verirrt haben. Ein kleiner Anhänger aus Blech und Glas – irgendwo auf der Strasse gefunden, ebenfalls auf wundersame Weise hier gelandet. Klar, finden wir hier auch ein gröberes Sortiment an Kaugummi, Bonbons, Gummibärli, Mints und Hustenpastillen. Wo sonst? Zwei hemdlose Hosenknöpfe, die Flaschendepotmarke von einem Fest, von dem ich nicht mehr weiss wann und wo es war, ein Schlüsselanhänger und ein kleiner Karabiner runden die Zeile ab. Am unteren Rand der Auslegeordnung finden wir neben Aspirin, Augentropfen und einem Pin der ‘Patrouille Suisse’ ein Beutelchen mit Wegwerfbesteck und Serviette, eine leere Schachtel für Schreibzeug, eine ans Buch klemmbare Leselampe (Batterien leer), Blumensamenmischung, assortierte Post-its und ein Knäuel Brillenputztücher. Schlussendlich noch Drahtstücke zum zubinden von Tüten, lose aufbewahrte Kaugummis, Mints, eine Schraube, desinfizierende Seife, Ohrstöpsel, Stöpsel für Regaltablare, Büroklammern und Gummibändel.

Inzwischen habe ich mich in den eigenen Hintern gekniffen. Habe alles Unbrauchbare weggeworfen, Brauchbares am dafür richtigen Ort verstaut, die Schublade gereinigt und schön eingeräumt. Sie ist jetzt halb leer und soll es in Zukunft auch bleiben.

Haha!

{ 13 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

1 P4X Juli 11, 2012 um 18:45

illegale waffen seh ich da ;-)

2 klaeui Juli 11, 2012 um 19:58

Wie du aus so einem Bild einen so langen und sehr gut lesbaren Blogbeitrag herzauberst – einfach toll.

Gut habe ich keine Küchenschublade überflüssig um ein Sammelsurium anzufangen. Mir reicht der Schreibtisch :p :)

Die zwei unklaren Plastikteile sehen aus, wie Kamerahalterungen die in ein Stativ hineingefahren werden können…

3 Fatima Juli 11, 2012 um 20:49

Ich hätte also nicht gedacht, dass auch du so eine Küchenschublade hast. :-)

4 Pia Juli 13, 2012 um 20:09

Köstlich!

5 Ray Juli 13, 2012 um 22:36

@klaeui Merci! Ja die Plastic-Dinger sind schon für eine Halterung. Möglicherweise für so ein kleines Gorilla-Dingsbums, das hier rumsteht. Muss das mal ausprobieren.

@Fatima Und ich behaupte, es gibt niemanden, der keine hat! :-)

@Pia Gell. ;-) Bist Du DIE Pia? Die von schon seit ewig?

6 Pia Juli 16, 2012 um 19:10

Hmm, ich weiss jetzt nicht ob ich genau DIE Pia bin und ewig ist vielleicht etwas gar lange. Aber ja, sind doch schon Jahre, wo ich hier mitlese und ab und zu fällt dann auch mal ein Kommentar ;)

7 Ray Juli 21, 2012 um 10:34

@Pia: Dann bist Du sie schon. ;-) Schön, so treue Leserinnen zu haben.

LG Ray

8 Pia Juli 30, 2012 um 17:54

:) Meine treue Leserschaft ist aufgrund der geschriebenen Texte berechtigt, ist immer wieder interessant hier mit zu lesen. Und ich glaube ich kann tatsächlich behaupten, dass ich inzwischen jeden Post gelesen habe. :) Bis bald wieder in einem meiner seltenen Kommentare, LG Pia

9 Ray Juli 30, 2012 um 20:32

@Pia: Vielen Dank für die langjährige Treue, Pia!

Alles gelesen? Du lieber Himmel, dann kennst Du mich ja in- und auswendig, jetzt krieg’ ich Angst! :-)

Liebe Grüsse

Ray

10 Pia Juli 31, 2012 um 9:47

Keine Sorge, dass ist schon lange her, inzwischen weiss ich vermutlich längst nicht mehr alles ;) Liebe Grüsse, Pia

11 maria August 2, 2012 um 10:56

Nein, nein, das ist keine neue Urs Wehrli Auslegung sondern original Ray:-)

12 maria August 2, 2012 um 11:26

Hat Dich die gegewärtige Ausstellung “Berge versetzen” im Alpines Museum Bern zum aufräumen animiert?

Gruess, maria

13 Ray August 4, 2012 um 12:17

@maria: So isses, bin zwar ein grosser Fan von Urs Wehrli und seinen verrückten Sortierübungen, aber das da war nicht von ihm inspiriert. Wer mich kennt, weiss, dass ich ein unendlicher Tüpflischiisser bin und gerne viel Zeit aufwende um Ordnung zu haben! :-) Danke für den Tipp mit dem Alpinen Museum!

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