Jetzt kann ich’s ja nachvollziehen. Wegen einer Bemerkung auf dem Blog eines der Hardcore-Tintensäufer bin ich unverhofft dazu gekommen, den Saisonabschluss dieses literarischen Laborexperiments im Berner musigbistrot zu geniessen. Im kleinen Kreis mit sympathischen, echt lieben Leuten.
Während der Lesungen habe ich mein Tischset vollgekritzelt, es liegt jetzt neben mir und sieht aus, wie der Schaltplan zu meinem Hirn. Chaotisch. Aber ein paar Worte sind dick nachgezogen, eingekreist, haben Ausrufezeichen dahinter, machen Erinnerungen deutlicher.
‘Fuad’, steht da und ‘Jungautor’. Der sympatische Wirt des bistrots hat sich selber auch an den kleinen runden Tisch unter der Lampe gesetzt und dem staunenden Publikum erklärt, wie Peking zum Namen ‘Peking’ kam. Ich kann’s hier nicht rekonstruieren, aber das Geschichtchen hat sich in zwei, drei Minuten von einem harmlosen Anfangssatz in einen schnell gesprochenen, sich immer mehr in Komplexität steigernden Zungenbrecher entwickelt, welcher mit einem fulminanten Schlussspurt das Publikum zu schallendem Gelächter und johlendem Applaus bewegte. Das war kurz, blitzschnell und echt komisch!
‘Pedro Lenz’ steht auf dem Tischset geschrieben – und dahinter ‘souverän’. War er. Ein paar knackige liebenswürdig bernische und augenzwinkernd vorgetragene Geschichtchen. In meinem Gekritzel steht ‘GIB NO CHLI, KÜRTU!’ umrahmt da. Ja, das mit dem Kürtu und dem langen Schlauch war von Pedro Lenz und es war goldig. Einfach schön. Auch das vom ‘Auswanderer Konrad’ und dem ‘Fischer, Hecht’ war pures Vergnügen, verschmitzt, ich finde, der Pedro Lenz hat einfach einen ans Herz gehenden feinen Humor, der ihn als liebenswürdigen Menschen herüberkommen lässt. Und Berner ist er auch noch.
‘Margrit Bauer’ – diese Frau war für mich das Highlight gestern Abend – und das nicht nur, weil sie sehr attraktiv ist und eine Frisur präsentierte, die nicht nur bei mir die Knie schwammig machte. Nein und es steht da dick hingeschrieben: ‘DIALOGE!!!’. Mein Fredi Hedinger hätte seine helle Freude an ihrer Schreibe, denn ihre Dialoge sind sensationell. Aber das ist nicht das einzige, denn die Frau kann nicht nur sehr gut schreiben, sie kann auch ‘LESEN’ – und wie. Da dürfte allerhand an Schauspielausbildung dahinter stecken. Sie hat die gerammelt volle Beiz mit ihrem lebhaften, lebendigen und jedesmal präzis tempiert vorgetragenen Texten gefesselt. ‘Päärchenkacke’ steht da auf meinem Zettel und ‘Alarmanlage im Hirn’, ‘Gehirn voll erschüttert’. Ich habe sie zum ersten Mal gehört, aber hege trotzdem den Verdacht, dass sie, was ihre Lesekunst angeht, an dem Abend in Höchstform gewesen sein muss – sie hinterliess bei mir den Eindruck, dass man besser kaum lesen könnte. Toll war das – sie allein war die Reise nach Bern wert.
‘Beat Sterchi’ und ‘Spanien’ steht da notiert. Nachdenklich wirkende Geschichten, präzis formuliert, vielleicht ein wenig langfädig – wobei gerade ich selber mit dem Wort vorsichtig umgehen sollte, ich weiss.
‘Christian Zehnder’ hingekritzelt. Mehr nicht – ich habe vergessen, was er vortrug, denn wenn man so vorliest wie er, hört niemand wirklich zu.
‘Patrick Savolainen’ – ‘Bier/Stangen/Biel’: Dieser junge Autor sieht zwar so aus, als müsste er jedesmal einen Ausweis zeigen, wenn er in einer der Bieler Schenken eine Stange Bier bestellt. Trotzdem machte er mit dem Publikum einen literarischen Beizenbummel durch seine Heimatstadt und deren ‘schnarchendes Nachtleben’. Allererste Sahne war das – Pedro Lenz liess sich bei der Vorstellung des jungen Literaten zur Bemerkung hinreissen, er wünschte sich, Patrick wäre sein Sohn. Allerhand.
‘Jürg Halter’ und ‘Transsexueller im parallelen Universum’ habe ich da auch hingeschrieben. Mir gefällt dieser kauzig wirkende (er ist’s aber glaub’s) Autor immer gut, mit seinem pastoralen Lesestil. ‘Text hat mich zum Sprecher gemacht’ ist auch von ihm. Er hat irgendwie die Fähigkeit, stimmlich ganz subtil den Drohfinger zu heben. Gestern hat er einen seiner Vorträge ‘ausgeblendet’, hat erst das Mikrofon ausgeschaltet und sich dann immer weiterlesend erhoben und ist an der Herrentoilette vorbei hinaus in den Hinterhof gegangen, wo sich seine Stimme verlor. Ich fand das irgendwie originell und es hat sehr gut zum Text gepasst.
Es war alles genau wie das Tintensaufen eben sein soll. Literatur hautnah, die vortragenden Schriftsteller sassen praktisch Kniescheibe an Kniescheibe mit den zusammengedrängten Zuhörern, das Ambiente stimmte, das Essen (Fuad zu den servierten, plattgedrückten Cevapcici: “So esse ich zuhause”) war fein, die Gesellschaft ein Genuss. Danke Küsu, danke Chrigu, das war Bern pur.
Edit: Drei Videos von gestern Abend gibt’s hier zu sehen


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Dass eine Frau, die Margrit Bauer heisst, so attraktiv ist, dass sie selbst gestandenen Männern die Knie schwammig werden lässt, ist so irgendwie kaum vorstellbar *lach*. Hat irgendwie so gar nichts an sich, dieser Name, das auch nur entfernt sexy tönt…
So können Buchstaben trügen… Oder Eltern daneben greifen bei der Namenssuche… Oder – auch das eine Möglichkeit – der Name ist ein bewusst unsexy ausgesuchter Künstlername ;-).