Wenn die Kisten da sind, den Bauplatz belegen, muss noch ein wenig zusätzliche Hardware ran. Da brauchen wir vorallem mal schön geschliffene Dachlatte aus dem Baumarkt.
Das gibt eine Stossleiste, sonst kommen wir beim Staubsaugen in die Bücher. Die Leiste muss genau so lang sein wie das projektierte Regal abzüglich vielleicht einen cm. Hochkant muss sie hin, klar. Wie lang das wird, legen wir mal mit den Kisten aus. Dran denken: Unten die 6-er Kisten vertikal stellen, denn wir haben ja auch hohe Bücher und die sollten unten im Regal enden. Wenn also 4 Meter Regal entstehen, dann brauchen wir 8 Meter geschliffene Dachlatte und sägen da ein paar cm ab. Da die Dinger in der Regel nur im Format 240 cm daher kommen, müssen wir zusammenstückeln, versteht sich, ist statisch kein Problem
Dann kommt noch das Schraubenzeugs. Wir brauchen 16mmx3,5mm und 20mmx3,5mm (oder ganz in der Nähe) in grossen Mengen. Egal was, aber es muss katholisch sein – ansonsten wir mit dem Bohrschrauber wahnsinnig würden. Kreuzschlitzschrauben, also. Ich würde mal so 300 Stück je davon anschaffen. Welche wir dann einsetzen werden, entscheidet, welche Kiste neben welcher. Wir wollen ja nicht durchschrauben und die Brettchendicke bei den Weinkisten ist
sehr variabel.
Wir brauchen noch die Distanzhalter. Das Foto zeigt, worum es geht. Die Konstruktion muss stabil an der Wand halten und nicht kippen (auf meinem Regal kann ich rumklettern) und es muss sichergestellt sein, dass hinter dem Regal die Luft zirkulieren kann. Lange Schrauben, 6er Dübel in die Wand, grosse Unterlagsscheiben, die beidseitig am Holz der Kisten zu liegen kommen. Die Hülsen kriege ich bei meinem Herrn Kaiser, dem genialsten Verkäufer im genialsten Hardware-Store auf der Welt. Bei Blattner, im Seefeld.
Pro 2 qm Regal, rechne ich mit einer Befestigung an der Wand. Mein Regal hier hat 6 Befestigungspunkte. Längs und in der Höhe regelmässig verteilt.
Dann geht’s los. Kisten auslegen, auf die ‘Schienen’ stellen und schrauben, schrauben, schrauben. Mal ab und zu mit der Wasserwage schadet nicht. Die Vorderseite sollte ‘flush’ sein, gegen hinten (was man nachher gar nicht sieht) franst’s dann schon aus, Weinkisten haben die unterschiedlichsten Formate, auch in der Tiefe. Das ganze Ding steht auf Spannung – weil die Kisten unregelmässig sind. Mutig sein, zusammenzwingen – das Holz wird mit der Zeit nachgeben und sich fügen.
Ray’s Regel #3:
Nicht direkt an die Wand, Distanzhalter einsetzen
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Roy Lichtenstein war schon immer einer meiner Lieblinge in den Galerien. Nun ist mir das da über den Weg gelaufen, Öl auf Leinwand – allerdings nur eine Kopie, aber immerhin. Wo’s hinkommt ist im Moment noch nicht klar. Aber ich kriege da Hilfe, weiss ich, es wird dann schon am richtigen Ort hängen.

Für die Techniker unter uns: Das Bild zu fotografieren war ein Abenteuer – die Rasterung bringt die Displays auf einer Canon und einer Nikon zum Wahnsinn. Die machen rote Bögen aus den roten Pünktchen. Möglicherweise ist es auch nicht auf jedem Compi-Bildschirm so, wie es aussehen sollte. Die Elektronik stellt den Flimmereffekt fest, der dazu führt, dass Fernsehmoderatoren keine kleinkarierten Hemden oder Anzüge tragen dürfen.
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von Ray am 15/03/2008
in Gelebt
Sie sitzt da, schreibt flüssig in so ein kleines Moleskine, während ich hinter ihr in Reihe 2 an der Bar auf meinen Caipi warte. Sie schaut auf (ich sehe das alles nur von hinten), sieht sich um, senkt den Kopf und schreibt weiter. Nach zwei Minuten oder so das gleiche Prozedere. Stift vom Papier – umsehen – weiterschreiben. Das ging noch zwei, drei Mal so weiter, bis ich meine Neugier nicht mehr zügeln konnte. “Was schriiibsch?” frage ich auf Zürichdeutsch. Sie guckt mich über ihre Schulter an, lächelt: “Tagebuch”, auf eindeutig Hochdeutsch.
Samstag Nacht, ‘Salsa Night’ im Bohemia.
Wie kann man nur.
Ich schreibe erst, wenn ich wieder zuhause bin. Auf dem Rückweg habe ich noch einen Kerzenständer aus dem Sperrmüll vor einem Haus am Zeltweg rausgehoben. Nettes Teil, würde ich nie wegwerfen. Aber dann, hier schreibt einer, der hat fast so viele Kerzenständer wie Bücher. Wo stelle ich den bloss hin?
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Wenn das Rohmaterial gesammelt ist – und ich wiederhole mich gerne, es muss definitiv so ausschauen, als ob es zuviel davon wäre, dann kann es noch nicht losgehen. Dann
kommt etwas, das sehr wichtig ist: Sämtliche Kistchen müssen von ekligen, hervorstehenden Nägeln, Agraffen, Splittern und ähnlichen, potenziell die Bürolistenfinger aufschlitzenden Bruchstellen, Ecken und Kanten befreit werden. Wenn einem da Kiste um Kiste durch die Hände geht – und wir rühren jede einzelne sicher zehn Mal oder mehr an, wollen wir sicher sein, dass wir uns nicht an dem Zeug
verletzen. Also Zange her und rausziehen, die Kistchen sauber machen, sozusagen. Präparieren für den Anlass, sagt der Hobbykoch in mir.
Die Herstellungsform und deren Qualität ist von Kiste zu Kiste sehr unterschiedlich. Da gibt’s viele Ausprägungen, von argentinischer Ware vom Kunst-Tischler, die zu schade ist, für ein Bücherregal, bis zu französischem
Schrott, den man gar nicht brauchen kann. Die Dinger sind alles, von maschinell mit Agraffen aus der Druckluftpistole geschossenen, bis wunderschön verzahnt und geleimt. Teilweise auch mit Schiebedeckel – wie ich an Kisten aus Spanien auch schon entdeckt habe. Ich hatte sogar mal eins in Händen, das war in den Ecken auf Gehrung zugesägt. Wahnsinn, für eine Weinkiste. Leider werden die guten Stücke im Weinhandel dann nicht mit dem Skalpell, sondern mit einem Geissfuss aufgerissen, was auch zu Verzug führen kann. Jetzt wäre die Zeit, verzogene Kistchen gerade zu hämmern, herausstehende Nägel wieder einzuschlagen. Im gleichen Atemzug sortieren wir das, was gröbere Schäden hat aus – schmeissen es aber noch nicht weg, denn vielleicht kann man da noch Teile davon brauchen.
Ray’s Regel #2:
Baumaterial baufertig machen, ansonsten viel Hansaplast und Merfen bereitstellen
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Das ist die UPS-Trackingnummer für ein Päckli der ganz besonderen Art, das sich auf dem Weg von Norddeutschland zu mir nach Zürich befindet. ‘Päckli’ ist vielleicht untertrieben, es handelt sich um ein knapp zwei Meter langes, röhrenförmiges Objekt. Und da drin ist sie, die Jerk-Rute, die ein deutscher Angelspezi in feinster Handarbeit genau nach Mass für mich gebaut hat. Abgestimmt auf meine Unterarmlänge und die Masse meiner Hände: Edelste Kohlefaser, High-Tech Komponenten aus Japan. Schwarz, mit silbrigen Applikationen ist sie – und mein Name steht drauf.
Ich warte jetzt schon ungeduldig auf den braunen Lieferwagen und die Hechte im Sihlsee können sich auf was gefasst machen.
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fischerei
Ich habe viel von diesem Film gehört, gestern habe ich ihn endlich auch gesehen. Mein Lieblingsschauspieler, Sean Penn, diesmal als Drehbuchautor und Regisseur unterwegs,
verfilmte durch das Buch von Jon Krakauer inspiriert und darum auch auf wahre Begebenheiten basierend, die Geschichte des 23-jährigen Christopher McCandless. Da ich niemandem, der den Film noch nicht gesehen hat, das Vergnügen verderben will, gehe ich nur oberflächlich auf die Handlung ein:
McCandless, der soeben mit ausgezeichneten Noten seinen Studienabschluss an der Emory Universität in Atlanta hinter sich gebracht hat, entschliesst sich unvermittelt, aus dem ihm verhassten Elternhaus mit seinen Konflikten und Konventionen zu flüchten und in der Wildnis Alaskas eben dieser Wildnis zu begegnen und sie zu leben. Er ändert seinen namen auf ‘Alex Supertramp’, verschenkt die 24’000 Dollars auf seinem Bankkonto, verbrennt sein Bargeld und seine Ausweise, nimmt den Rucksack und verschwindet. Der Film erzählt, wie Alex in zwanzig Monaten Wanderung durch die USA versucht, zu sich selber zu finden. Er erzählt auch oft rührend, von den Bekanntschaften, die Alex auf seiner Reise macht, über tiefgründige Freundschaften, die entstehen, über das Glück das ihm wiederfährt, aber vorallem auch das Glück das er mit seiner Lebenseinstellung und erfrischenden, weisen Art beschert. Er lebt die Werte, die er sucht und steckt damit sein Umfeld, das aus wenigen und immer wechselnden Personen besteht an, zieht diese in seinen Bann, lässt sich aber nicht von ihnen davon abbringen, dem Ruf der Wildnis zu folgen. Letzteres übrigens ein Bogen zu einem von McCandless’ Lieblingsautoren, Jack London, dessen brutales Hundebuch ‘Call of the Wild’ ebenfalls in Alaska handelt. Alex findet den Weg nach Denali, in die Einsamkeit, die er suchte, findet nach seiner Kerouac’schen Reise den Weg auch zu Tolstoy. Für die Erkenntnis, ‘happiness is only real when shared’ allerdings und die Einsicht, dass man alles bei seinem richtigen Namen nennen soll, zahlt er schlussendlich einen hohen Preis.
Was wir im Kino sehen ist ein Film, der gleich auf mehreren Ebenen eminent stark ist. Die Bilder, die Fotografie der Landschaften und der Natur durch die Alex zieht, sind von umwerfender, geradezu atemberaubender Schönheit, die untermalende Musik von Eddie Vedder scheint zu vermitteln, was dem einsamen Wanderer durch den Kopf geht. Die aus dem Off sprechende Schwester Carine (Jena Malone) gibt dem Film den Faden, den er braucht, damit die in viele Flashbacks gestückelte Handlung doch wieder einen Zusammenhang findet und kohärent und fast chronologisch wirkt, obwohl sie nicht so dargestellt wird. Am Ende des Films hat man die 20 Monate in der richtigen Reihenfolge im Kopf – obwohl man sie in einer anderen Reihenfolge gesehen hat. Das kommt bekannt vor, denn in ‘21 Grams‘ wo Sean Penn die Hauptrolle spielte, war das Drehbuch von Guliermo Arriaga ähnlich aufgebaut und hat wunderbar funktioniert. Das tut es aber nicht immer, wie ‘Babel‘, ein Film der ebenfalls auf einem Drehbuch Arriaga’s basierte, aufzeigt. Die Nebenrollen in ‘Into the Wild’ sind mit wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt. Mit dabei Hal Holbrook, Marcia Gay Harden, William Hurt und die bezaubernde Kirsten Stewart, die wir als Jodie Foster’s Tochter in ‘Panic Room’ kennen.
‘Into the Wild‘ ist für meinen Geschmack ein Meisterwerk, ein Film der lange nachhallt, der beschäftigt, nachdenklich macht.
Mein persönliches Rating: 10 von 10
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